27.2.2019

Für den Fall der Fälle helfen die AK-Rechtsexperten: Beispiele aus dem Praxis-Alltag 

Trotz gesetzlicher Bestimmungen, Regelungen in Kollektivverträgen und Betriebsvereinbarungen sind Verfehlungen von Arbeitgebern keine Seltenheit: Kündigungen im Krankenstand, inkorrekte Gehaltsabrechnungen, Diskriminierung u.v.m.

Broschüren

Infos & Tipps zum Nachlesen

Fall 1 Entlohnung unterhalb des Kollektivvertrages und keine Abfertigung

Nach der Beendigung seines Beschäftigungsverhältnisses nach über 21 Jahren wurde einem Dienstnehmer im Güterbeförderungsgewerbe die ihm zustehende Abfertigung nicht ausbezahlt. Der Arbeitnehmer wandte sich direkt an die Experten der Arbeitsrechtsabteilung der AK Kärnten. Bei der Überprüfung der Lohnabrechnungen wurde festgestellt, dass der Arbeitnehmer über Jahre unterkollektivvertraglich entlohnt wurde. Nach Intervention und dem Forderungsschreiben der AK-Experten gelangte die gesetzliche Abfertigung und die Entgeltdifferenz von insgesamt 16.222,60 Euro netto zur Auszahlung.  

Fall 2 Im Krankenstand gekündigt

Trotz der ordnungsgemäßen Krankenstandsmeldung wurde eine Dienstnehmerin im Krankenstand gekündigt. Der Dienstgeber nahm die ärztliche Bestätigung der Arbeitsunfähigkeit nicht entgegen und gab an, nicht mehr zuständig zu sein. Die ehemals Beschäftigte wandte sich an die AK Kärnten. Nach Intervention der AK Kärnten wurde der offene Entgeltbetrag von 1.122,37 Euro netto  ausbezahlt und die entsprechende Arbeits- und Entgeltbestätigung an die zuständige Gebietskrankenkasse übermittelt.

Fall 3 Gehaltsabrechnungen immer überprüfen

Eine Handelsangestellte ließ von der AK Kärnten ihre Gehaltsabrechnungen überprüfen, da sie an deren Korrektheit zweifelte. Im Rahmen dieser Kontrolle wurde festgestellt, dass das Dienstverhältnis vom Dienstgeber fristwidrig beendet wurde und die Dienstnehmerin während der gesamten Dauer des Dienstverhältnisses unterkollektivvertraglich entlohnt wurde.

Seitens der AK Kärnten wurden sämtliche Entgeltdifferenzen sowie die Kündigungsentschädigung eingefordert und es gelangten sodann 6.703,04 Euro netto zur Auszahlung.

Fall 4 Regelmäßige Überstunden bringen höheres Wochengeld

Die regelmäßig geleisteten Überstunden oder Sonn- und Feiertagsentgelte, die Mütter vor ihrer Schwangerschaft erhalten haben, müssen nach einem OGH-Urteil in die Berechnung des Wochengeldes einfließen. Die Arbeiterkammer Kärnten hat aufgrund dieser Entscheidung zahlreiche Beratungen bzw. Neuberechnungen des Wochengeldes durchgeführt. Viele betroffene Dienstnehmerinnen wurden seitens der Sozialversicherung darüber benachrichtigt, dass es zu einer Nachzahlung des Wochengeldes kommt. Ab dieser Benachrichtigung haben die Betroffenen auch die Möglichkeit, eine Neuberechnung des (gehaltsabhängigen) Kinderbetreuungsgeldes zu beantragen; dies allerdings nur innerhalb von 14 Tagen ab Verständigung über den neuen Wochengeldbezug!

In einem konkreten Anlassfall erhielt eine Arbeitnehmerin eine Nachzahlung von
1.554,88 Euro. Das neue Wochengeld betrug somit täglich 68,29 Euro statt 54,53 Euro. An Kinderbetreuungsgeld (80% vom Wochengeld) wurden der Betroffenen nach erfolgter Neuberechnung rund 3.300,00 Euro nachverrechnet; insgesamt erhielt die Dienstnehmerin aufgrund des Einschreitens der AK Kärnten insgesamt rund 4.800,00 Euro netto bezahlt.

Fall 5 Diskriminierung einer Arbeitnehmerin

Das befristete Dienstverhältnis einer Angestellten wurde aufgrund der Meldung ihrer Schwangerschaft lediglich bis zum Eintritt des Mutterschutzes verlängert. Zuvor wurde der Dienstnehmerin allerdings mehrmals von ihrem Vorgesetzten zugesichert, dass ihr befristetes Dienstverhältnis in ein unbefristetes übergehen werde. Laut Arbeitgeber hatte die Meldung der Schwangerschaft keinen Einfluss auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Fristablauf. Die Angestellte sei vielmehr „nicht teamfähig“ gewesen und habe einen fragwürdigen Umgang mit ihren Vorgesetzten. Die Schwangere wandte sich an die AK Kärnten, um rechtliche Unterstützung im Zusammenhang mit der (rechtswidrigen) Auflösung des Dienstverhältnisses zu bekommen.

Nach einer entsprechenden Beratung machte die junge Frau von ihrem Wahlrecht Gebrauch – anstatt der Feststellung auf Aufrechtbestehen des Dienstverhältnisses einen Schadenersatzanspruch aufgrund einer Beendigungsdiskriminierung geltend zu machen. Die AK Kärnten erstritt für die Betroffene beim Arbeits- und Sozialgericht einen Nettobetrag von 15.330,69 Euro zuzüglich Zinsen.

Fall 6 Urlaubsersatzleistung erst nach Einschreiten der AK Kärnten bezahlt

Eine Dienstnehmerin war seit knapp vier Jahren als Zimmermädchen in einem Hotel beschäftigt. Sie tätigte während der Karenz einen Mutterschaftsaustritt. Die junge Kärntnerin hatte noch Anspruch auf 36 Urlaubstage. Erst nach Einschreiten der AK-Experten zahlte der Arbeitgeber die Urlaubsersatzleistung in der Höhe von 2.299,15 Euro netto.

Fall 7 Verkehrte Welt: Entlassung nach Beschimpfung durch Arbeitgeber

Eine Handelsangestellte aus Wolfsberg wurde aus einem lapidaren Grund fristlos entlassen: dem Gebietsleiter des Unternehmens passte die Gestaltung der Regale für den Verkauf nicht. Die Angestellte wurde in Anwesenheit von Kunden vom Gebietsleiter unnötig beschimpft. Am Ende des Arbeitstages wurde die Entlassung zu Unrecht ausgesprochen.

Mit Hilfe der AK Kärnten wurden eine Kündigungsentschädigung und weitere Beendigungsansprüche geltend gemacht und letztendlich ein Betrag von 1.471,04 Euro netto erwirkt.

Kontakt

Kontakt

Arbeits- und Sozialrecht
Tel.: 050 477-1000
E-Mail: arbeitsrecht@akktn.at
E-Mail: sozialrecht@akktn.at

Broschüren

Infos & Tipps zum Nachlesen

  • © 2019 AK Kärnten | Bahnhofplatz 3 9021 Klagenfurt am Wörthersee, +43 50 477

  • Datenschutz
  • Impressum