Kirchenaustritt um 89,90 Euro? AK warnt vor kostenpflichtigem Online-Dienst
Wer in Österreich aus einer Religionsgemeinschaft austreten möchte, kann das selbst und grundsätzlich kostenlos bei der zuständigen Behörde erledigen. Ein privater Online-Dienst verlangt für die Weiterleitung des Austrittsgesuchs 89,90 Euro. Die Arbeiterkammer rät zur Vorsicht.
Privater Dienst statt offizieller Behörde
„Online-Kirchenaustritt“ ganz bequem: Damit wirbt die erst vor wenigen Tagen in den USA registrierte Website www.kirchenbeitrag.com. Mit rot-weiß-roten Farben vor dem Logo erweckt sie den Eindruck einer Behörde und wirbt um Austrittswillige in Österreich. Tatsächlich leitet sie lediglich den Austrittswunsch an die zuständige Behörde weiter. Der Kontakt zur Bezirkshauptmannschaft oder zum Magistrat bleibt damit nicht erspart.
Nur kurze Zeit, nachdem die persönlichen Daten in das Onlineformular eingegeben worden sind, folgt die Rechnung über stolze 89,90 Euro. Aussteller ist ein angebliches US-amerikanisches Unternehmen mit dem Namen SmartWay Solutions LLC mit Sitz in 19713 Newark im Bundestaat Delaware. Die Anschrift, unter der firmiert wird, ist dabei eine bekannte und häufig von Briefkastenfirmen genutzte Adresse.
Offenbar zeigt die Masche bereits Wirkung: In den vergangenen Tagen wurden der Arbeiterkammer mehrere Fälle bekannt. Sie warnt daher vor solchen unnötigen und kostspieligen Diensten und rät zur Vorsicht.
Gut zu wissen: So funktioniert der Kirchenaustritt
Wer in Österreich aus einer Religionsgemeinschaft austreten möchte, muss das ausgefüllte und unterfertigte Austrittsformular, einen Nachweis der Mitgliedschaft (z. B. einen Taufschein oder eine Taufurkunde) sowie einen amtlichen Lichtbildausweis bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde oder beim Magistrat vorlegen. Die erforderlichen Unterlagen können auch gesammelt in elektronischer Form übermittelt werden.
Der Austritt selbst ist kostenlos. Lediglich für eine schriftliche Austrittsbestätigung fällt eine Gebühr an.
Tipps der AK
- Werden Dienste im Internet kostenpflichtig angeboten, prüfen Sie zunächst, ob dafür tatsächlich Kosten anfallen und ob Sie die gewünschte Leistung selbst oder über einen anderen Anbieter kostenlos erledigen können.
- Geben Sie persönliche Daten keinesfalls vorschnell in ein Formular ein. Unseriöse Organisationen nutzen solche Daten häufig, um Rechnungen zu versenden. Nicht selten werden die Daten auch im „Darknet“ an andere Internetkriminelle weiterverkauft.