Geringes Ein­kommen

Für Personen mit niedrigen Einkommen gibt es einige Erleichterungen. Zum Beispiel müssen sie weniger Beitrag zur Arbeitslosenversicherung leisten oder können sich vom Finanzamt die Negativsteuer zurückholen.

Arbeitslosenversicherung

Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung wird Ihnen automatisch mit dem Sozialversicherungsbeitrag abgezogen. Überprüfen Sie dennoch Ihren Lohnzettel, schließlich geht es um Ihr Geld.

Beachten Sie:

Wenn Sie im Jahr 2023 nicht mehr als 1.885 Euro brutto verdienen, zahlen Sie keinen Arbeitslosenversicherungsbeitrag, sind aber trotzdem voll arbeitslosenversichert!

Danach geht es gestaffelt weiter. Für 2023 gilt:

  • bis 2.056 Euro monatlichem Bruttoeinkommen zahlen Sie ein Prozent
  • bis 2.228 Euro brutto zwei Prozent und
  • darüber den üblichen Arbeitslosenversicherungsbeitrag von drei Prozent der Sozial­versicherungs­-Bemessungs­grundlage.

Rechnen Sie nach!

Um selbst zu überprüfen, ob bei entsprechend geringem Einkommen der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung richtig reduziert wurde, brauchen Sie einen aktuellen Lohnzettel und einen Taschenrechner.

Tipp

Auf dem Lohnzettel ist die Bemessungsgrundlage für die Sozialversicherung sowie die Abzüge für Ihre Sozialversicherung ausgewiesen.

Negativsteuer

Arbeitnehmer:innen mit einem Monatseinkommen von rund 1.360 Euro brutto zahlen keine Lohnsteuer. Liegt man unter dieser Grenze, kann man einen bestimmten Prozentsatz der Sozialversicherungsbeiträge als Negativsteuer zurückbekommen. Bei einem Anspruch auf das Pendlerpauschale erhöht sich die Negativsteuer noch zusätzlich.

Negativsteuer für Beschäftigte mit Lohnsteuerabzügen

Ab dem Veranlagungsjahr 2020 gibt es auch für Arbeitnehmer:innen, die über der Steuergrenze verdienen, eine Art Negativsteuer, den sogenannten SV-Bonus. Dieser wird in Form des Zuschlags zum Verkehrsabsetzbetrag gewährt, der unter der Steuergrenze auch als Negativsteuer ausbezahlt wird. Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag wird zwischen bestimmten Einkommensgrenzen gleichmäßig auf Null reduziert. Erst wenn das Einkommen einen gewissen Betrag überschreitet, gibt es keinen SV-Bonus mehr. Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag muss nicht gesondert beantragt werden, sondern wird automatisch berücksichtigt.

JahrZuschlag zum VerkehrsabsetzbetragReduktion des Zuschlags auf Null Euro bei Einkommen zwischen
2020400 Eurozwischen 15.500 Euro und 21.500 Euro
2021 und 2022650 Eurozwischen 16.000 Euro und 24.500 Euro
2023684 Eurozwischen 16.832 Euro und 25.774 Euro
Die Einkommensgrenzen und die Höhe des Zuschlags zum Verkehrsabsetzbetrag werden jährlich erhöht.

Teuerungsabsetzbetrag für 2022:

Arbeitnehmer:innen mit geringem Einkommen erhalten einmalig für 2022 zusätzlich zum Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag noch einen Teuerungsabsetzbetrag über die ANV. Dieser beträgt 500 Euro bis zu einem Einkommen von 18.200 Euro. Darüber hinaus wird er bis zu einem Einkommen von 24.500 Euro gleichmäßig auf Null verringert. Für Pensionist:innen, die 2022 keine außerordentliche Einmalzahlung bei der Pensionsauszahlung erhalten, steht bis zu Pensionsbezügen von 20.500 Euro ebenfalls ein Teuerungsabsetzbetrag von 500 Euro zu. Bei höheren Pensionsbezügen verringert sich der Teuerungsabsetzbetrag für PensionistInnen bis zu Bezügen von 25.500 Euro gleichmäßig auf Null.

Der Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag und der Teuerungsabsetzbetrag müssen nicht gesondert beantragt werden, sondern werden automatisch berücksichtigt.

So hoch ist die Negativsteuer

*) PP/P€ = Pendlerpauschale/Pendlereuro
**) bei Teuerungsabsetzbetrag
 Jahr Arbeitnehmer:innen ohne Pendlerpauschale Arbeitnehmer:innen mit Pendlerpauschale Pensionist:innen
Anteil SV Max. Anteil SV Max. Anteil SV Max.
bis 2019 50 % 400 Euro  50 % 500 Euro 50 % 110 Euro
2020 50 % 800 Euro  50 % 900 Euro 75%

300 Euro

2021 55 %  1.050 Euro  55% 1.150 Euro 80 % 550 Euro 
202270 %1.550 Euro 70 %1.610 Euro 100 %550 Euro bzw. 1.050 Euro* 
202355 % 1.105 Euro 55 %1.250 Euro 80 %579 Euro 
*) bei Teuerungsabsetzbetrag

Eine spezielle Form der Negativsteuer gibt es...

  • für Alleinverdienende 

  • für Alleinerziehende, die wenig verdienen:  Können Sie den Alleinverdiener- bzw. Allein­er­zieher­­ab­setz­betrag nicht voll ausnützen, weil Ihre Jahressteuer niedriger ist als der Absetzbetrag, erhalten Sie die Differenz vom Finanz­amt als Negativsteuer ausbezahlt.

Dieser Betrag ist gestaffelt nach der Anzahl der Kinder, für die Sie mehr als 6 Monate im betreffenden Jahr Familienbeihilfe beziehen.

Der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag beträgt 2023:

  • 520 Euro bei einem Kind (bis 2022: 494 Euro)
  • 704 Euro bei zwei Kindern (bis 2022: 669 Euro)
  • 232 Euro für jedes weitere Kind zusätzlich (bis 2022: 220 Euro) 

Die Negativsteuer steht Arbeitnehmer:innen und Pensionist:innen zu. Eine spezielle Form der Negativsteuer (der negativ ausbezahlte Alleinerzieher- bzw. Alleinverdienerabsetzbetrag) steht auch freien Dienstnehmer:innen und Selbstständigen bei besonders niedrigen Einkommen zu.

Kindermehrbetrag statt Familienbonus,

Verdienen Sie so wenig, dass Sie keine Lohnsteuer bezahlen, wirkt sich der Familiebonus für Ihr Kind nicht aus, da dieser nicht als Negativsteuer ausbezahlt wird. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten Sie jedoch den Kindermehrbetrag als Negativsteuer:

Was gilt ab 2022:

Den Kindermehrbetrag erhalten Sie, wenn Sie an mindestens 30 Tagen steuerpflichtige aktive Einkünfte, zB aus einer Anstellung oder einem freien Dienstvertrag, erzielt haben und sich der Familienbonus bei Ihnen nicht auswirkt. Außerdem muss einer dieser Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Sie haben Anspruch auf den Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag, oder
  • Ihre Partnerin bzw. Ihr Partner verdient auch so wenig, dass auch hier der Familienbonus keine Auswirkung hat.

Der Kindermehrbetrag beträgt ab 2022 bis zu 550 Euro pro Kind. 

Was gilt bis 2021:

Bis 2021 erhalten Sie den Kindermehrbetrag als Negativsteuer nur dann, wenn Sie an weniger als 330 Tagen im Jahr Bezüge aus der Arbeitslosenversicherung, Mindestsicherung oder Grundversorgung bezogen haben. Zudem müssen Sie Anspruch auf den Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag haben. Der Kindermehrbetrag beträgt 250 Euro pro Kind.

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