1.6.2016

Chancengerechtes und leistungsfähiges Bildungssystem

Resolution FSG

Die Bundesarbeiterkammer ist die einzige Institution, welche seit 2010 die Entwicklung der Nachhilfe in Österreich beobachtet. Die Ergebnisse werden in einer Studie, die jährlich vom Ifes (Institut für empirische Sozialforschung) erstellt wird, dokumentiert. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass sich die Nachhilfequote im Laufe des Erhebungszeitraums nicht wesentlich verändert hat.

Bedarf an Nachhilfe

Der Bedarf an privater Nachhilfe ist weiterhin gegeben. Jedes fünfte Kind ist davon betroffen. Ohne außerschulische Lernunterstützung würden viele Schülerinnen und Schüler die in den Curricula vorgegebenen Lernziele nicht erreichen. Nachhilfe ist im Regelfall sehr wirksam und führt vielfach auch zum gewünschten Schulerfolg. Nachhilfeunterricht wird aber nicht nur bei einer drohenden negativen Note in  Anspruch genommen, sondern auch dann, wenn Noten verbessert oder der Lernstoff gefestigt werden soll. Damit ist der Bedarf nicht nur punktuell gegeben, sondern die externe Lernbegleitung entwickelt sich zu einem Ergänzungsunterricht während des gesamten Schuljahres. 

Die jährlichen Studienergebnisse zeigen deutlich, dass private Nachhilfe Eltern teuer zu stehen kommt. Durchschnittlich 700 Euro pro Kind werden jährlich dafür aufgewendet. Dieser hohe Kostenfaktor bedeutet, dass sich nicht alle Eltern Lernunterstützung für ihre Kinder leisten können. Kinder aus eher bildungsfernen Schichten, deren Eltern im Regelfall auch über weniger finanzielle Ressourcen verfügen. werden benachteiligt und die soziale Ungerechtigkeit schon im Kindesalter gefördert.  Fast 50 Prozent der Kärntner Eltern, die für ihr Kind innerhalb des letzten Jahres externe Nachhilfe bezahlen mussten, sind dadurch finanziell stark bzw. spürbar belastet. Dazu gibt es noch weitere Risikofaktoren. Wenn schulische Probleme in der Familie gelöst werden müssen, sind Eltern nicht nur finanziell sondern auch emotional gefordert.  Zusätzliche Konflikte sind vorprogrammiert. 

Zwei Drittel der Eltern fühlen sich zeitlich überfordert, wenn sie ihren  Kindern beim Lernen helfen oder sie beim Erledigen der Hausaufgaben beaufsichtigen müssen. Stress und Ärger sowie eigene Wissensüberforderung beim Helfen und Überprüfen der Hausaufgaben werden als weitere Belastungsfaktoren genannt. Diese Herausforderungen stehen auch in unmittel­barem Zusammenhang mit dem Einkommen und dem Bildungsgrad der Eltern. Gegenüber dem Vorjahr ist nach Auskunft der Eltern das Angebot eines regelmäßigen Förderunterrichts an den Schulen zurückgegangen. Regelmäßiger Förderunterricht, so die neueste Studie, führt nachweislich zu einer deutlichen Reduzierung der Nachhilfe. Leider wurden aber auch die Subventionen der öffentlichen Hand, die einkommensschwachen Eltern kostengünstige Nachhilfe für ihre Kinder an Bildungsinstitutionen ermöglichen, gekürzt bzw. ganzgestrichen. In diesem Zusammenhang fördert die Studie zu Tage, dass rund 3000 Schulkinder in Kärnten Nachhilfe benötigen würden, diese jedoch auf Grund die finanziellen Möglichkeiten der Eltern nicht erhalten.

Pilotprojekt „Lerncoaching“

Die Arbeiterkammer Kärnten hat sich daher entschlossen das Pilotprojekt „Lerncoaching“ zu starten. Gemeinsam mit den Kärntner Volkshochschulen wird durch gezieltes Fördern  Pflichtschülerinnen und -schüler ab der fünften Schulstufe aus einkommenswachen Haushalten schon während des Schuljahres die Möglichkeit geboten, eine negative Note abzuwenden oder generell zu verbessern. Die Projektlaufzeit beträgt zwei Jahre – eine begleitende Evaluierung ist vorgesehen.     

Die Etablierung einer kostenlosen Nachhilfe trägt mittelfristig sicher dazu bei, die finanziellen Belastungen der Eltern zu verringern und mehr Chancengerechtigkeit herzustellen.

Dies ist insofern nur die zweitbeste Lösung, als damit noch kein Beitrag zur Eindämmung des generellen Nachhilfebedarfs gesetzt wird.

Ziel der Bildungspolitik muss es jedoch sein, dass alle Schülerinnen und Schüler am Ende der Schulpflicht die Grundkompetenzen in den Bereichen Deutsch, Mathematik und  IKT beherrschen, über eine ausreichende Allgemeinbildung verfügen und einen positiven Pflichtschulabschluss schaffen. Vorrangiges Ziel unseres Schulsystems muss es sein, den Bedarf an Nachhilfe einzudämmen. Mit dem Ausbau an Ganztagesschulen mit verschränktem Unterricht, entsprechenden Übungs-und Lerngruppen und mit einer vertiefenden Übungs-und Lernkultur könnte man diesem Ziel wesentlich näher kommen. Einsparungen beim schulischen Förderunterricht würden umgekehrt mit Sicherheit dazu führen, dass  sich die Nachhilfeaus­gaben der Eltern noch erhöhen.

Bildung ist der Schlüssel für Innovation und Fortschritt und sichert wirtschaftliches Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand. Eine gerechte Gesellschaft braucht ein leistungsfähiges Bildungssystem, das eine qualitätsvolle Bildung gewährleistet, den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördert und Chancengerechtigkeit schafft. 

Die Arbeiterkammer Kärnten fordert von der Bundesregierung:

  • Eine Umstellung der Schulfinanzierung zu einem bedarfsorientierten“ Index Modell“, orientiert an der sozialen Lage der Schülerinnen und Schüler: Es soll mehr Mittel für jene Schulen geben, die von besonders vielen sozial benach­teiligten Kindern besucht werden. Eine derartige „indexbasierte Mittelverteilung“ soll mittelfristig sicherstellen, dass alle Kinder die gleichen Chancen bekommen.

  • Den Ausbau von echten Ganztagesschulen mit einem verschränkten Unterrichts und regelmäßigen Förderangeboten.

  • Eine gemeinsame Schule der 10-14Jährigen, um Talente besser zu fördern.
  • Verstärkte Unterstützung der Schulen durch Verwaltungspersonal und einem Pool von Expertinnen und Experten (Beratungslehrer, Psychologen, Logopäden, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Jugendcoaches…) in jedem Schulbezirk.

mehrheitliche Annahme

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