3.11.2015

Notstand am Lehrstellenmarkt – Blum-Bonus-Neu für mehr betriebliche Lehrstellen

Antrag ÖAAB

Die Lehrlings- und Fachkräftesituation in Österreich ist dramatisch, und das System in bedrohliche Schräglage geraten. Die Realität in der Lehrlings-Entwicklung ist laut dem früheren Regierungsbeauftragten für duale Ausbildung, Egon Blum, furchterregend und dramatisch. Österreichweit hat sich die Zahl der Lehranfänger seit 2008 auf 21.503 praktisch halbiert. Ein großes Imageproblem geht damit der Orientierungslosigkeit der Jugend und fehlendem staatlichem Investment eine letale Verbindung ein.

Die Mehrzahl der Betriebe bildet zwar nach wie vor gut aus, aber zu viele Betriebe bilden schlecht aus, so Blum. Vier von zehn Lehrverhältnissen wurden 2013 vorzeitig aufgelöst, Tendenz steigend. Tausende brechen jedes Jahr die Lehre ab, weil sie schlecht informiert oder zu oft für berufsbildfremde Tätigkeiten eingesetzt werden.

Die Bundespolitik hat in den vergangenen Jahren das ihre dazu getan. Zuerst wurde der gut funktionierende Blum-Bonus abgeschafft, dann die mehr als sinnlose  Lehrlingskündigung eingeführt (sie sollte laut Wirtschaftsvertretern für zusätzlich 5.000 betriebliche Lehrstellen sorgen!) und schließlich in einer Hauruck-Aktion die Qualitätsüberprüfung zur  Hälfte der  Lehrzeit  „aus Budgetgründen“ entsorgt. Alles Maßnahmen, die der dualen Ausbildung nachhaltig großen Schaden zugefügt, und vor denen Arbeitnehmervertreter in Vorarlberg gebetsmühlenartig gewarnt haben.

Es braucht daher dringend Maßnahmen, die dafür sorgen, dass erstens wieder mehr betriebliche Lehrstellen angeboten werden und zweitens die Qualität in der Lehre wieder in die Höhe gefahren wird. Vorgeschlagen wird dafür ein  „Blum-Bonus-Neu“, der sich  aus drei  Komponenten zusammensetzt: Einem Qualitätsbonus (3.000 Euro  für alle Lehrlinge, die nach dem zweiten Lehrjahr einen verpflichtenden Qualifikationsnachweis erbringen), einem Zusätzlichkeitsbonus (3.000 Euro pro zusätzlichem Lehrling für maximal fünf Lehrlinge pro Unternehmen) sowie einem Treuebonus (je 2.000 Euro für maximal zwei Lehrlinge pro Jahr für Unternehmen, welche den Lehrlingsstand vom Vorjahr aufrecht erhalten.)
 
Eine weitere Möglichkeit den Lehrlingsschwund zu stoppen oder zu bremsen wäre die verpflichtende Ausdehnung des seit über 30 Jahren bewährten „VEM-Fondsmodell“ auf alle Betriebe. Bei diesem Modell werden von allen VEM-Betrieben 2,4 Promille der Bruttolohn- und Gehaltssumme in einen Ausbildungsfonds eingezahlt. Diese Gelder werden schließlich u.a. für Rückvergütungen bei positivem Abschluss des 2. Lehrjahres, für die Ausbildner-Ausbildung oder berufsbezogene Informationen und Aktivitäten verwendet.

Die Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Kärnten fordert daher den Gesetzgeber auf, raschest geeignete Maßnahmen zu setzen, damit der Lehrstellenschwund gestoppt werden kann. Insbesondere gefordert wird

  • die  Einführung  eines  dreiteiligen  „Blum-Bonus-Neu“,  bestehend  aus  Qualitäts-, Zusätzlichkeits- und Treue-Bonus,
  • die Abschaffung der unnützen und kontraproduktiven Lehrlingskündigung sowie
  • die  Einführung  eines  Ausbildungs-Fondsmodells  analog  dem  der  Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie auf gesetzlicher Basis.

mehrheitliche Zuweisung an den Vorstand gegen Stimmen ÖAAB und FA

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