Bil­d­­ungs­­­ka­renz

Sie sind berufstätig und brauchen Zeit für eine Aus- oder Weiterbildung? Dann besteht die Möglichkeit, eine berufliche Auszeit zu nehmen, die so genannte Bildungskarenz. Zentrale Voraussetzungen dafür:  

  • Sie müssen ein aufrechtes Arbeitsverhältnis haben.
  • Ihr Arbeitgeber oder Ihre Arbeitgeberin muss damit einverstanden sein und Sie für die Dauer der Bildungskarenz freistellen. 

Achtung!

Auf Bildungskarenz besteht kein Rechtsanspruch. Die AK setzt sich aber weiter dafür ein!

Finanzielle Förderung: Weiterbildungsgeld vom AMS

Während der Bildungskarenz bekommen Sie unter bestimmten Vor­aus­setz­ung­en ein Weiterbildungsgeld vom AMS – und zwar in der Höhe des Arbeits­los­­en­geldes, mindestens jedoch in der Höhe von 14,53 Euro täglich. Den An­trag auf Weiterbildungsgeld müssen Sie bei Ihrem AMS stellen.

Tipp:

Rechnen Sie sich hier aus, wie hoch Ihr Weiterbildungsgeld ausfällt.

Darf ich zum Weiterbildungsgeld etwas da­zu­ver­dien­en?

Ja, das geht – auch beim gleichen Arbeitgeber, der Sie karenziert hat. Sie dürfen aber maximal bis zur Geringfügigkeitsgrenze verdienen. Diese beträgt monatlich 438,05 Euro (2018).  Wenn Sie aufgrund einer Ausbildung Einkünfte er­zielen, dürfen diese das 1,5-fache der Geringfügigkeitsgrenze nicht über­steig­en, um einen Anspruch auf Weiterbildungsgeld zu haben. 

Ab wann bekomme ich Weiterbildungsgeld?

Frühestens ab dem Tag der Antragsstellung, sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind.

Voraussetzungen für das Weiterbildungsgeld

Um eine Förderung für Ihre Bildungskarenz zu bekommen, müssen Sie …  

  • einen Anspruch auf Arbeitslosengeld beim AMS haben.  
  • beim AMS eine Bildungskarenzvereinbarung mit dem Arbeitgeber vorlegen. 
  • dem AMS Ihr Weiterbildungsvorhaben erklären und die erforderlichen wöchentlichen Weiterbildungsstunden belegen können.
  • 6 Monate durchgehend beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt gewesen sein. Das Stundenausmaß spielt dabei keine Rolle, sondern ob Sie über der Ge­ring­fügigkeitsgrenze verdient haben und somit arbeitslosenversichert waren. 

Ausnahme für Saisonbetriebe

Wenn Sie in einem Saisonbetrieb beschäftigt sind, etwa einem Schi-Hotel, reichen auch 3 Monate ununterbrochene Beschäftigung – sofern Sie in den letzten 4 Jahren auf insgesamt mindestens 6 Monate beim selben Arbeitgeber kommen. 

Wie lange kann ich in Bildungskarenz gehen?  

  • Die Mindestdauer der Bildungskarenz beträgt 2 Monate.
  • Maximal können 12 Monate innerhalb von 4 Jahren vom AMS gefördert werden.
  • Sie können die Bildungskarenz auch stückeln, wobei ein Teil immer mind­est­ens zwei Monate umfassen muss. 

Welche Aus- und Weiterbildungen kann ich machen? 

Grundsätzlich alles, was Sie beruflich weiterbringt. Sie können z.B. Schul- und Studienabschlüssen nachholen, Fremdsprachenschulungen machen oder sich anders weiterqualifizieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie sich im In- oder Ausland weiterbilden. 

Achtung!

Nicht akzeptiert werden Kurse aus dem Hobbybereich ohne be­ruf­lichen Bezug. Es hängt immer vom Einzelfall ab, ob Ausbildungen als beruflich relevant eingestuft werden.

Ein Beispiel:

Bei einem Bilanzbuchhalter wird ein Tauchkurs im Mittelmeer ver­mutlich nicht gefördert. Für eine Sportwissenschaftlerin an einem Sportinstitut, die sich einschlägige Qualifikationen aneignen muss, kann die Entscheidung über eine Förderung schon anders ausfallen.

Was muss ich nachweisen?

Wenn Sie eine Weiterbildung im Ausmaß von mindestens 20 Stunden pro Woche – inklusive Lernzeiten – in Anspruch nehmen, müssen Sie dies schrift­lich nachweisen. Beispielsweise mit Zeugnissen oder Kurs­be­suchs­be­stätig­ung­en.  

Ausnahme für Eltern

Bei Eltern mit Betreuungspflichten für Kinder unter 7 Jahren genügt der Nach­weis über 16 Stunden pro Woche, wenn tatsächlich keine darüber hin­aus­gehen­de Kinderbetreuungsmöglichkeit besteht.

Achtung!

Von Kursträgern wird häufig nur die Anzahl der Unterrichtseinheiten bestätigt – diese Einheiten sind aber in der Regel kürzer als 60 Minuten. Sofern diese zumindest 45 Minuten betragen, sollte eine Bestätigung über 20 Unterrichtseinheiten ausreichen. Um sich­er­zu­gehen, sollten Sie das vorab mit dem AMS abklären.

Was muss ich bei einem Studium beachten?

Damit Sie Ihr Weiterbildungsgeld nach einem Semester (6 Monaten) weiter beziehen können, brauchen Sie: 

  • einen Nachweis über Prüfungen über 4 Semester-Wochenstunden
  • oder einen Nachweis von 8 ECTS-Punkten pro Semester
  • oder eine Bestätigung über den Fortschritt Ihrer Abschlussarbeit (z.B. Diplomarbeit)
  • oder eine Bestätigung über die Vorbereitung auf eine abschließende Prüfung

Wichtig!

Wenn Sie den Nachweis nicht erbringen, kann das AMS das Weiter­bild­ungs­geld einstellen oder sogar zurückfordern!

Während der Ferienzeit kann eine Bildungskarenz mit Anspruch auf Weiterbildungsgeld nur dann begonnen werden, wenn Sie zum Zeit­punkt der Antragstellung bereits inskribiert waren und studiert haben (zB. Beginn Studium Wintersemester 2017/18, Beginn Bild­ungs­karenz Februar 2018).

Beachten Sie bitte, dass die oben angeführten Nachweise, un­ab­häng­ig vom Semester bzw. den Ferien, nach 6 Monaten ab Beginn der Bild­ungs­karenz erbracht werden müssen um weiter einen Anspruch auf Weiterbildungsgeld zu haben. Haben Sie daher beispielsweise bereits im Sommersemester studiert, die Bildungskarenz aber erst am 1.7. begonnen, so müssen Sie den Nachweis bis spätestens 31.12. erbringen.

Wie Sie unliebsame Überraschungen vermeiden 

  • Vorab nachfragen: Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall schon vorab bei Ihrer regionalen AMS-Geschäftsstelle, ob Ihr Weiterbildungswunsch gefördert werden kann und ob Sie die Voraussetzungen erfüllen.

  • Achten Sie darauf, dass Beginn und Ende Ihres Kurses oder Studiums auch mit dem Beginn und Ende ihrer Bildungskarenz zusammenfallen. 

  • Für Vor- und Nachbereitungszeiten - max. je 4 Wochen bei einer ein­jähr­igen Bildungskarenz bzw. je 1 Woche bei einer kürzeren Bildungskarenz - sowie Unterbrechungen  bekommen Sie nur unter bestimmten Vor­aus­setz­ung­en Weiterbildungsgeld. Sprechen Sie Ihre AMS-Betreuerin oder Ihren AMS-Betreuer vorab darauf an. 

Bildungskarenz und Elternkarenz verbinden

Abhängig von der Geburt Ihres Kindes gibt es unterschiedliche Regelungen.

Bei Geburten vor 2017

Wenn Sie in Elternkarenz sind, weil Sie vor 2017 ein Kind bekommen haben, und innerhalb von sechs Monaten nach Karenzende eine Bildungskarenz an­treten, müssen Sie keine 6 Monate arbeitslosenversicherungspflichtige Be­schäft­ig­ung unmittelbar vor der Bildungskarenz vorweisen, um Weiter­bild­ungs­geld zu bekommen.

Bei Geburten ab 1.1.2017

Wenn Ihr Kind nach dem 31.12.2016 geboren wurde, bekommen Sie Weiter­bild­ungs­geld nur dann, wenn Sie unmittelbar nach Ende des Kind­er­be­treu­ungs­geld­be­zugs in Bildungskarenz gehen. Das bedeutet: Ihr Kurs, Studium etc. muss unmittelbar an den Bezug des Kinderbetreuungsgeldes anschließen, d.h. am nächsten Tag beginnen (z.B. letzter Tag KBG-Bezug 15.2., Beginn Bild­ung­s­karenz und –maßnahme 16.2.).

Für Vor- und Nachbereitungszeiten sowie Unterbrechungen bekommen Sie nur unter bestimmten Voraussetzungen Weiterbildungsgeld. 

Achtung!

Für Ansprüche, die sich nach der Dauer der Dienstzeit richten (z.B. Abfertigung Alt), zählt die Bildungskarenz nicht. 

Bekomme ich während der Bildungskarenz Urlaubs- und Weih­nachts­geld?

Nein, während der Bildungskarenz besteht kein Anspruch auf Sonder­zahl­ung­en. Der Urlaubsanspruch wird anteilig verkürzt.  

Ist ein Wechsel von Bildungskarenz zu Bildungsteilzeit möglich?

Ein einmaliger Wechsel von Bildungskarenz zu Bildungsteilzeit oder um­ge­kehrt ist zulässig.

Beendigung des Arbeitsverhältnisses in der Bild­ungs­karenz

Kann ich während der Bildungskarenz gekündigt werden?

Ja, denn es besteht kein gesetzlicher Kündigungsschutz wie bei der Eltern­karenz.  Durch die Arbeitgeberkündigung wird zwar die Bildungskarenz be­endet, es besteht jedoch weiterhin Anspruch auf Weiterbildungsgeld bis zum Ende der Weiterbildungsmaßnahme.

Ein berechtigter Austritt (zB. wegen Entgeltvorenthalt oder gerichtlich an­ge­ord­neter Schließung des Unternehmens in der Insolvenz des Arbeitgebers) wird wie eine Arbeitgeberkündigung behandelt und führt nicht zum Verlust des Weiterbildungsgeldes.  

Kann ich während der Bildungskarenz mein Arbeitsverhältnis freiwillig selbst beenden (einvernehmliche Auflösung, Selbstkündigung)?

Beenden Sie Ihr Arbeitsverhältnis freiwillig während der Bildungskarenz, so endet damit auch der Anspruch auf Weiterbildungsgeld! Eine berechtigte Ent­lassung führt ebenfalls zum Verlust des Anspruches auf Weiterbildungsgeld.

AK Forderung

Auf Bildungskarenz besteht kein Rechtsanspruch. Die AK setzt sich aber weiter dafür ein! 

Das könnte Sie auch interessieren

Strebhafte Schülerin beim Lernen © Sandor Jackal, Fotolia

Bildungskarenz für „Freie“

Auch freie DienstnehmerInnen bekommen in der Bildungskarenz Weiterbildungsgeld - unter den gleichen Voraussetzungen wie ArbeiterInnen und Angestellte.

Junge Frau wird von älterer Frau beraten © Alexander Raths, Fotolia.com

Arbeitslosengeld

Wer kriegt es, wie lang und in welcher Höhe? Wo kann man es beantragen? Wie viel darf man dazuverdienen? Die wichtigsten Infos zum Arbeitslosengeld.

  • © 2018 AK Kärnten | Bahnhofplatz 3 9021 Klagenfurt am Wörthersee, +43 50 477

  • Datenschutz
  • Impressum