Frau bedeckt ihr Gesicht mit der Hand © Wayhome Studio, stock.adobe.com
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21.02.2022

Ampel im Arbeitsalltag steht auf Rot

Zwei Jahre Corona haben Spuren hinterlassen. In der vom Meinungsforschungsinstitut IFES im Auftrag von AK und ÖGB alljährlich durchgeführten „Strukturwandelbarometer-Umfrage“, an der sich mehr als 1.300 Betriebsrät:innen beteiligt haben, zeigen sich diese Spuren deutlich. 

Denn bislang wurde in der Pandemie das Augenmerk hauptsächlich auf die Aufrechterhaltung des Betriebes gelegt. Die Beschäftigten haben alle dafür erforderlichen Maßnahmen mitgetragen, auf ihre Bedürfnisse wurde aber vergessen. Das äußert sich jetzt in einem extrem hohen Arbeitsdruck und in einer Verschlechterung des Arbeitsklimas. AK und ÖGB sind sich daher einig, dass es jetzt an der Zeit ist gegenzusteuern.

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Der vorliegende Bericht zum Strukturwandelbarometer 2021 beschäftigt sich mit den aktuellen Veränderungen in der Arbeitswelt in Folge der Pandemie. Mehr ...

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Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

  • Die ökonomische Situation wird wieder viel besser beurteilt – 79% sahen 2021 eine (sehr) gute wirtschaftliche Lage. Auch die Liquidität wird von 84% als sehr gut bzw. gut bewertet. Insgesamt wird die wirtschaftliche Lage in vielen Branchen wieder auf Vorkrisenniveau gesehen. 

  • Dagegen hat sich der Arbeitsdruck enorm erhöht. 68% der befragten Betriebsrät:innen gaben an, dass seit Beginn der Corona-Pandemie der Arbeitsstress in ihren Betrieben stark gestiegen ist. Dieser Wert hat sich in nicht einmal einem Jahr um 28 Prozentpunkte (!) verschlechtert! Gleichzeitig ist das Arbeitsklima bei knapp der Hälfte der Betriebe (48%) schlechter geworden. Dieser Wert ist im selben Zeitraum um 16 Prozentpunkte negativer geworden.
     
    Für die deutliche Verschlimmerung dieser beiden Werte gibt es mehrere Gründe – etwa häufigere Überstunden, größere Distanz zu den Kolleg:innen, das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, sich häufig verändernde Prozesse, die rasche Digitalisierung etc. Eine Folge ist, dass 58% der Befragten den Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung äußern. 

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  • Als größte Zukunfts-Sorge nennen 82% das Stichwort Personalmangel – wobei hier auch explizit die Suche nach Lehrlingen und IT-Personal genannt wird. Aber auch die steigenden Energiepreise (63%) und der Rohstoffmangel (54%) stehen auf der Sorgen-Agenda weit oben.

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Unsere Forderungen

„Es waren die Beschäftigten, die in der Krise viele Unternehmen am Laufen gehalten und alle Vorschriften und Maßnahmen mitgetragen haben. Arbeitgeber sind jetzt aufgerufen, endlich mehr Augenmerk auf die Beschäftigten zu legen. Es geht um Respekt und Wertschätzung“, zieht Willi Mernyi, Leitender Sekretär des ÖGB, ein Resümee.

Und Silvia Hruška-Frank, Bereichsleiterin Soziales der AK Wien ergänzt: „Die Mitarbeiter:innen sind das wichtigste Kapital eines jeden Unternehmens. Das hat sich vor allem in der Krise gezeigt. Die Ergebnisse des Strukturwandelbarometers sind ein Hilfeschrei, der gehört werden muss. Jetzt heißt es: Arbeitssituation rasch verbessern.“ 

Nach Meinung von AK und ÖGB müssen daher folgende Maßnahmen umgesetzt werden: 

  • Attraktive und planbare Arbeitszeiten – „Dass wir weniger Zeit im Job verbringen, ist längst überfällig. Nur so kommen die Menschen zu mehr Entspannung und Freizeit.  Wir wissen aus vielen Beispielen, dass Mitarbeiter:innen etwa bei einer 4-Tage-Woche motivierter und produktiver in der Arbeit sind. Und wie die Umfrage zeigt, ist auch bei den Beschäftigten der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung groß“, so Mernyi.  

  • Höhere Löhne und Gehälter – „Gerade in den so genannten systemrelevanten Berufen wie Pflege, oder Handel sind die Beschäftigten im Vergleich nicht gut bezahlt. Es sind auch oft diese Branchen, die jammern, dass sie nicht genug Personal finden. Unternehmen, die händeringend Personal suchen, wären gut beraten, Löhne und Gehälter zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen besser zu gestalten. Höhere Einkommen sind nicht nur auch ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung, sondern angesichts der aktuell hohen Energiepreise und der Teuerung an sich ein Gebot der Stunde“, sagt Mernyi. 

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf – „Es braucht zum einen eine Milliarde Euro mehr pro Jahr für den Ausbau der Kinderbetreuung und Kinderbildung. So wird die Anzahl der verfügbaren Plätze gesteigert, es wird der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes ermöglicht und die Öffnungszeiten ausgeweitet, damit Eltern bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.
     
    Zum anderen braucht es die Einführung des AK/ÖGB Familienarbeitszeitmodells. Wenn beide Elternteile ihre Arbeitszeit auf 28 bis 32 Stunden pro Woche reduzieren, soll es dafür einen Entgeltersatz von 250 Euro Pauschale pro Elternteil und Monat geben. Davon profitieren in den Familien alle“, fasst Hruška-Frank zusammen.  

  • Qualifizierungs- und Ausbildungsoffensive – „Die Sorge ob des Personalmangels ist auch darin begründet, dass mit dem jetzt stattfindenden wirtschaftlichen Aufschwung alle Unternehmen gleichzeitig Personal suchen. Nichtsdestotrotz sind die Unternehmen gefordert, die Verantwortung für die berufliche Aus- und Weiterbildung zu übernehmen.
     
    Die Ausbildung von Fachkräften beginnt mit der Lehre. Wer solche ernten will, muss Lehrstellen säen und sich um die Ausbildung junger Menschen bemühen“, so Hruška-Frank. Zudem müsse Qualifizierung ein wesentlicher Teil der anstehenden Arbeitsmarktreform sein und die Wiedereingliederungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose deutlich verbessert werden. 

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