10.3.2022

Genossenschaft vs. Privat: Höhere Preisanstiege von Miet- und Wohnkosten bei Privaten in Kärnten

Einkommensschwächere Haushalte geben bis zu zwei Drittel ihres Einkommens fürs Wohnen aus, so das Ergebnis von 596 Befragten der AK-Wohnkostenstudie, erhoben mittels Fragebogen im Sommer 2021, und ausgewertet durch die Joanneum Research Forschungsgesellschaft. Der derzeitige Energiekostenanstieg verschlimmert die Situation. „Untere Einkommensschichten sind besonders stark von den Erhöhungen betroffen! Der soziale Wohnbau hat einen signifikanten Bremswirkungseffekt auf die steigenden Miet- und Wohnkosten und muss daher forciert werden“, fordert AK-Präsident Günther Goach.

Neben aktuell steigenden Energie-, Heiz- und Betriebskosten beschäftigen auch die Mietpreise Kärntner Haushalte. Im Vergleich zu den Vorjahren stiegen Miet- und Wohnkosten – insbesondere Mietzins und Betriebskosten – deutlich an. „Die Teuerungen betreffen alle erhobenen Wohngrößen: von 50 bis über 110 Quadratmeter“, erklärt Eric Kirschner, Studienleiter des Joanneum Research. 89 Prozent der befragten Mieter in Genossenschaftswohnungen gaben an, dass die Mieten gegenüber 2019 angestiegen sind.

Bei Privatwohnungen sind höhere Preisanstiege zu beobachten als bei Genossenschaftswohnungen. Insgesamt stiegen die Kosten – im Vergleich zur letzten AK-Erhebung im Jahr 2019 – um rund einen Euro/m2 bei privaten Anbietern an, und um 90 Cent/m2 bei Genossenschaftswohnungen. Mehr als die Hälfte der 596 Befragten geben für Wohnkosten zwischen 500 und 700 Euro aus. Für immerhin knapp ein Drittel der Befragten in Privatwohnungen machen die monatlichen Kosten gar über 800 Euro aus. „Untere Einkommensschichten sind besonders stark von den Erhöhungen betroffen, da die Kosten fürs Wohnen oftmals zwei Drittel des Haushaltseinkommens aufzehren“, hebt Günther Goach hervor.

Hinzu kommt der massive Anstieg bei den Energiekosten für Strom, Gas oder Heizung. „Die Möglichkeiten Energie zu sparen, etwa beim Heizen, sind begrenzt. Jeder Kostenanstieg führt zu stärkeren Einbußen des Haushaltsbudgets“, unterstreicht Goach. Die Energiepreise sind ein wesentlicher Treiber der Inflation – Personen mit niedrigerem Einkommen sind besonders betroffen. „Schon in diesem Jahr ist mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen!“, so Kirschner.

Belastung hoch – Preissenker sozialer Wohnbau

Drei Viertel aller Befragten fühlen sich mittel bis sehr belastet. Dabei spielen Kaution, Mietzinsvorauszahlungen, Maklerprovisionen, Vertragsgebühren aber auch die Befristung von Mietverträgen, vor allem im privaten Bereich, eine wichtige Rolle: Während 37 Prozent der genossenschaftlichen Mieter angegeben haben Kaution zu entrichten, waren es 81 Prozent der Privatmieter. Als weitere Kostenpunkte bei den privaten Mietern kamen Mietzinsvorauszahlungen (neun Prozent), Maklerprovisionen (18 Prozent) und Vertragsgebühren (14 Prozent) hinzu.  Der Anteil jener, die sich weniger oder nicht belastet fühlen, stieg im Vergleich zu vergangenen Befragungen. „Dies könnte im Zusammenhang mit dem Ausbau von Genossenschaftswohnungen einhergehen, die in der Regel günstiger als Privatwohnungen sind“, definiert Kirschner. Das bestehende Angebot an Genossenschaftswohnungen wirkt preissenkend auf Wohn- und Mietkosten und trägt maßgeblich zur Mieterzufriedenheit bei.

Unterschiede nach Bezirken

Die Regionen Unterkärntens verfügen über vergleichsweise günstigen Wohnraum – bei gleichzeitig hohen Bruttoeinkommen; bedingt durch die große Bedeutung des produzierenden Bereichs. Hier könnte es künftig durch die Koralmbahn zusätzlich zu Verschiebungen der Wohnbevölkerung kommen. Die günstigsten Mieten werden neben Wolfsberg und Völkermarkt im Grenzbezirk Hermagor verzeichnet. Im Zentralraum scheint das Verhältnis von Einkommen und Wohnkosten ausgeglichen: In den Städten Villach und Klagenfurt unterscheiden sich die Wohnkosten (Genossenschaft und Privat) am deutlichsten. Oberkärnten erscheint hingegen verhältnismäßig teuer. Generell sind die Wohnkosten in Klagenfurt und Villach sowie Klagenfurt Land am höchsten.

Gesamtwohnkosten in Euro/m2 nach Bezirken 2021

Grafik © Joanneum Research Policies

Einkommen und Wohnkosten – Medianwert in Euro

Tabelle © Joanneum Research Policies

Wohnbeihilfenbezieher profitieren von Gesetzesnovelle

Lediglich vier bis fünf Prozent aller Befragten waren Wohnbeihilfeempfänger. Nach Daten des Landes und der Statistik Austria beträgt dieser Anteil, gemessen an den gemieteten Hauptwohnsitzen, allerdings zwischen zwölf und 13 Prozent. 2021 wurden 14.024 Anträge für Wohnbeihilfe des Landes Kärnten gestellt. „Mit 1. Jänner 2022 trat eine Novelle zum Kärntner Wohnbauförderungsgesetz in Kraft. Dieses sieht wesentliche Verbesserungen vor, so dass ein Ansteigen der Förderfälle erwartet wird und sämtliche Wohnbeihilfenbezieher von höheren Beihilfen profitieren“, so Goach und führt aus: „Die Wohnbeihilfe ist ein gutes Mittel, um das Wohnen für Menschen mit wenig Einkommen leistbarer zu machen.“  

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