AK-Nachhilfestudie 2026: Nachhilfe kostet mehr als Geld – Stress und Zeit belasten Kärntner Familien

In Kärnten haben 22.000 Schüler:innen Nachhilfe erhalten, 11.000 davon bezahlte. Familien gaben im vergangenen Schuljahr rund sieben Millionen Euro dafür aus – durchschnittlich 660 Euro pro Kind. So das Ergebnis der Nachhilfestudie, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut IFES* im Auftrag der Arbeiterkammer. „Private Nachhilfe darf nicht zur Grundvoraussetzung für den Schulerfolg werden. Das gefährdet die Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem massiv“, warnt AK-Präsident Günther Goach. 

Die wichtigsten Zahlen für Kärnten auf einen Blick

  • 35 Prozent der Kärntner Schüler:innen bzw. rund 22.000 Kinder hatten Nachhilfe bzw. Lernhilfe im Schuljahr 2025/2026.
  • 11.000 Kinder nahmen bezahlte Nachhilfe in Anspruch, 7.000 unbezahlte und 7.000 nutzen die schulische Gratis-Nachhilfe
  • Tatsächlicher Bedarf: 24.000 Kinder oder 39 Prozent aller Schüler:innen
  • 7 Millionen Euro Gesamtausgaben für Nachhilfe in Kärnten
  • 660 Euro durchschnittliche Ausgaben pro Kind mit bezahlter Nachhilfe
  • Fächer: Mathematik (68 Prozent), Deutsch (29 Prozent), Fremdsprachen (22 Prozent)
  • 36 Prozent der Eltern fühlen sich in Bezug auf Konflikte und Ärger in der Familie aufgrund der Lernbegleitung belastet.
  • 47 Prozent der befragten Eltern fühlen sich durch bezahlte Nachhilfe finanziell sehr stark bzw. spürbar belastet.

In Kärnten haben im Schuljahr 2025/26 rund 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen, also etwa 22.000 von den insgesamt 62.000 Schüler:innen, Lernunterstützung erhalten. Etwa 11.000 Schüler:innen nahmen bezahlte Nachhilfe in Anspruch. „Der tatsächliche Gesamtbedarf liegt jedoch bei 39 Prozent bzw. rund 24.000 Schüler:innen, wenn auch jene berücksichtigt werden, die zwar keine bezahlte Nachhilfe hatten, aber einen entsprechenden Bedarf äußerten“, berichtet Daniel Weidlitsch, Leiter der Abteilung Bildungspolitik, Jugend und Kultur, aus den Umfrageergebnissen. Familien in Kärnten gaben 2026 rund sieben Millionen Euro (2024/2025: zehn Millionen Euro) für Nachhilfe aus – im Schnitt 660 Euro pro Kind.

660 Euro pro Kind und Schuljahr

„Die durchschnittlichen Ausgaben pro Kind sind von rund 850 im Jahr Schuljahr 2024/2025 auf aktuell 660 Euro gesunken. Dies sollte jedoch nicht vorschnell als Entspannung für die Familien verstanden werden“, so Goach. Nachhilfe wird offenbar stärker punktuell und anlassbezogen, etwa vor Schularbeiten und Tests und nicht regelmäßig während des Schuljahres, genutzt. Gleichzeitig spielt die allgemeine Teuerung eine Rolle. Der AK-Präsident betont: „Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbörsel der Eltern abhängen. Für Familien mit geringem Einkommen ist Nachhilfe schwer leistbar. Der von den Arbeiterkammern geforderte und von der Bundesregierung umgesetzte Chancenbonus ist zwar ein wichtiger Schritt, muss aber deutlich ausgebaut werden.“ 

47 Prozent empfinden Nachhilfe als "zu teuer"

Mathematik bleibt mit deutlichem Abstand das wichtigste Nachhilfefach: 68 Prozent der Nachhilfeschüler:innen brauchen Unterstützung in Mathematik, gefolgt von Deutsch mit 29 Prozent und Fremdsprachen mit 22 Prozent. Viele Kärntner Eltern empfinden die zusätzliche Lernunterstützung als „zu teuer“. Der konstant hohe Wert von 47 Prozent der Befragten bei der finanziellen Belastung zeigt: Auch wenn die durchschnittlichen Nachhilfe-Ausgaben gesunken sind, bleibt sie für jene Familien, die sie brauchen, finanziell belastend.

Höheres Einkommen, bessere Noten? 

Nur rund ein Fünftel der Eltern österreichweit glaubt, dass Bildungschancen ausschließlich von den Fähigkeiten des Kindes abhängen. In Kärnten bestätigen die Befragten, dass sich bessere Noten leisten kann, wer mehr Einkommen hat. „Derzeit haben Kinder mit Eltern die ein höheres Einkommen haben auch bessere Noten, weil sie sich Unterstützung leisten können. Andere müssen aus dem Gymnasium aussteigen, weil von zuhause keine Hilfe möglich ist. AHS Oberstufe kann sich nicht jeder leisten“, so etwa die Mutter eines Burschen in einer AHS-Unterstufe in Kärnten bei der Befragung und fordert: „Es sollte für Kinder einmal wöchentlich Förderunterricht in den Hauptgegenständen am Nachmittag von Lehrern geben.“ Die alleinerziehende, teilzeitbeschäftigte Mutter einer Mittelschülerin aus Kärnten schrieb: „[…] Auch wird viel auf die Eltern abgewälzt, die wie in meinem Fall aber auch arbeiten und nebenbei den Haushalt machen. Und wenn man zu wenig verdient, dann kann man sich Nachhilfe auch keine leisten. […]“

Konflikte belasten Familien

Neben dem Geld investieren Eltern auch Zeit, Nerven und familiäre Ressourcen. 36 Prozent der Kärntner Eltern geben an, dass sie sich in Bezug auf Ärger und Konflikte beim Unterstützen der Kinder, während diese für Prüfungen lernen oder Hausaufgaben erledigen, sehr bzw. ziemlich belastet fühlen. Weidlitsch: „Nachhilfe bzw. Lernbegleitung ist demnach nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine zeitliche und familiäre Belastung.“ 

Kostengünstige Nachhilfe mit AK-Lernchancen

Die AK Kärnten bietet mit dem Projekt AK-Lernchancen kostengünstige Lernunterstützung für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen. Das Projekt umfasst Nachhilfe, Lerncoaching und Mentoring, um Bildungsungerechtigkeit aktiv entgegenzuwirken. Mit dem Projekt Bildungswege entdecken unterstützt die AK Kärnten Schüler:innen und Eltern bei der Orientierung im Bildungssystem. Das Angebot reicht von Berufsorientierung über Studieninformation bis hin zu individueller Bildungsberatung – alles kostenlos und barrierefrei. 

AK Kärnten fordert

„Die Zahlen zeigen eindeutig: Nachhilfe ist für viele Familien in Kärnten unverzichtbar, um schulische Defizite auszugleichen. Ein Schulsystem, das auf private Nachhilfe angewiesen ist, hat seine öffentliche Aufgabe nicht erfüllt. Private Nachhilfe darf nicht zur Grundvoraussetzung für den Schulerfolg werden. Wir brauchen eine Schule, die alle Kinder mitnimmt, unabhängig vom Einkommen der Eltern“, betont der AK-Präsident 

  • Den Chancenbonus ausbauen: Die derzeitigen 65 Millionen Euro sind zu wenig – mittelfristig braucht es rund 400 Millionen Euro, um Schulen mit besonderen Herausforderungen treffsicher und ausreichend auszustatten. 
  • Mehr Personal und Zeit für individuelle Förderung: Kinder sollen den Lernstoff in der Schule verstehen, üben und festigen können, unabhängig davon, ob die Eltern private Nachhilfe finanzieren bzw. selbst Lernunterstützung anbieten können. 
  • Hochwertige, beitragsfreie Ganztagsschulen flächendeckend ausbauen: Damit alle Kinder gleiche Lernchancen haben.  
  • Schulkosten deutlich senken: Bildung muss für alle Familien leistbar sein, ohne dass private Nachhilfe zur finanziellen Belastung wird. 
  • Familien mit geringem Einkommen gezielt entlasten: Schulleistung und Materialien dürfen Eltern finanziell nicht überfordern. Insbesondere armutsgefährdete Familien und Alleinerziehende brauchen Unterstützung, damit Bildungschancen nicht vom Einkommen abhängen. 

*Die Studie wurde vom Institut IFES von Mitte März bis Mitte Mai 2026 durchgeführt. In Kärnten wurden 584 Schüler:innen bzw. 406 Haushalte mit Schulkindern befragt. Ausgenommen waren Berufsschulen, Akademien, Schulen im Gesundheitswesen.

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