AK-Goach: Nein zur Pflegelehre!

 „Eine Pflegelehre kann den Personalmangel im Gesundheits- und Krankenpflegebereich nicht lösen und ist für junge Menschen – auch aufgrund der schweren physischen und psychischen Belastungen im Job – keine geeignete Ausbildungsform“, so AK-Präsident Günther Goach und betont: „Bessere Arbeitsbedingungen im Pflegebereich und eine Ausbildung die dafür sorgt, dass das Personal möglichst lange im Beruf bleibt, sind Gebote der Stunde. Probleme in der Pflege werden nicht mit der Schaffung eines neuen Lehrberufes gelöst!“ 

Zusätzlich zu den drei bestehenden Ausbildungsschienen der Pflegeassistenz, der Pflegefachassistenz sowie dem akademisierten gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege, soll ab dem Schuljahr 2021/22 ein dreijähriger Pflege-Lehrberuf möglich sein. Der Lehrabschluss ist mit der Pflegefachassistenz gleichzusetzen. Die Gesundheits- und Krankenpflegeschulen sollen die Aufgabe der Berufsschulen übernehmen.  

„Die Einführung der Pflegelehre lehnt die AK aus mehreren Gründen ab“, so Goach und konkretisiert: „Es gibt bereits drei Ausbildungsschienen, ein neuer Lehrberuf würde eine Vermischung von Pflege und Betreuung mit sich bringen. Als Betreuer leistet man z. B. hauswirtschaftliche Hilfestellung wie Kochen oder Botengänge. Für die Pflege wiederum gibt es klare gesetzliche Standards, denn das Berufsgesetz verlangt hier immer eine diplomierte Kraft.“ Die Befürchtung liege daher nahe, dass „Jugendliche durch den neuen Lehrberuf als billige Arbeitskräfte für Hilfsdienste eingesetzt werden dürfen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken!“, formuliert Goach Bedenken. 

Auch der Einsatz von 15-Jährigen im Gesundheitswesen sei problematisch. „Dafür bedarf es neben der fachlichen auch eine hohe soziale und persönliche Kompetenz, welche in jungem Alter nicht als Voraussetzung gesehen werden kann“, so Goach und sagt: „Der Umgang mit belastenden Situationen ist altersabhängig. Es besteht der empirische Nachweis, dass Personen mit höhere Schulbildung, ressourcenschonender mit beruflichen Belastungen und Anforderungen im Pflegebereich umgehen können. Diese Voraussetzungen erfüllt eine Lehre nicht!“  

Anstatt einen neuen Lehrberuf einzuführen, fordert die Arbeiterkammer Kärnten:  

Als Ausbildungsweg für die Pflegeassistenzberufe ein BMS bzw. BHS Modell.

Schaffung einer neu gestalteten Pflegeausbildung, die in einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule passiert. Begrüßenswert ist der heute von Landeshauptmann Peter Kaiser angekündigte neue Schulzweig – die Bundeshandelsschule für Soziales und Wirtschaft – der im Herbst in Feldkirchen startet. Die Zielgruppe der 15-Jährigen ist durch neue Schulmodelle zu gewinnen. Eine Kombination von Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) oder Berufsbildenden mittleren Schule (BMS) mit den bereits bestehenden Schulen, stellt eine zukunftsfähige Alternative zu bestehenden Ausbildungsangeboten dar. Außerdem ist es in den genannten Schulformen möglich, gesetzeskonform zu agieren, indem die Auszubildenden erst mit dem 17. Lebensjahr Praktika am Krankenbett versehen dürfen. In einer BHS für Pflegeassistenzberufe soll modulhaft die Ausbildung zur Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz absolviert werden können. Dadurch kann auch gewährleistet werden, dass Jugendliche nicht zu früh den psychischen Belastungen von Pflegearbeit ausgesetzt sind und ein durchlässiges Karrieremodell wird dadurch ebenso garantiert. Nur solche Ausbildungen sind eine langfristige und echte Perspektive für den Fachkräftemangel; auch in der Pflegebranche.

Ein 2-jähriges Ausbildungskonzept für die Erwachsenenbildung; inklusive Lohnausgleich für die Zeit der Ausbildung.

Um ausreichend Personal in Mangelberufen auszubilden, braucht es dringend eine Ausbildungsform für Berufs-Wiedereinsteiger bzw. Berufs-Umsteiger. Personen im Erwachsenenalter, die sich im Gesundheits- oder Pflegebereich ausbilden lassen wollen, brauchen einen Lohnausgleich während der gesamten Dauer bzw. Ausbildungsjahre, damit sie während der Ausbildungszeit ihren Lebensunterhalt bestreiten können. 

Bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich.

Das Gesundheitspersonal arbeitet sehr oft am absoluten Limit: psychische und physische Belastungen, unsichere Dienstpläne, Personalmangel, uneinheitliche Personalbedarfsberechnungs-Methoden, bescheidenes Einkommen….  Die Arbeitsbedingungen müssen dringend verbessert werden! 

„Die wenig durchdachte Einführung einer Pflegelehre ist definitiv nicht die richtige Antwort. Die Gesundheits- und Krankenpflege hat einen zentralen gesellschaftspolitischen Auftrag, der nur mit fach-pflegerischer Kompetenz und persönlicher Reife erfüllt werden kann. Der Schlüssel zur Bekämpfung des Personalmangels sowie der Drop-Out Rate in der Pflege ist und bleibt die Attraktivierung des Berufsbildes“, so Goach abschließend.

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