2.11.2022

AK-Konjunkturumfrage: Die erwartete Auftragslage steigt an – Fachkräftemangel verfestigt sich

Starker Arbeitsmarkt zeichnet vorerst positives Bild für die Zukunft der Arbeitnehmer. Mismatch bei unbesetzten Stellen und Fachkräften bleibt – wie in den Jahren zuvor – bestehen. Überangebot an Lehrstellen. 

221 Betriebsräte nahmen 2022 an der AK-Konjunkturumfrage (0,9 MB), die wissenschaftlich durch das Joanneum Research begleitet wurde, teil. Diese 221 Betriebsräte präsentieren knapp 63.250 Kärntner Beschäftigte. Laut aktueller Auswertung der Umfrage sank das Konjunkturbarometer von plus 25 Indexpunkten auf 10 Indexpunkte. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der rasche Aufschwung von 2021 nach der COVID-19-Pandemie wurde durch Lieferkettenstörungen und vor allem durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine gebremst und führt zu einer Rekordinflation. „Die entstandene Preisdynamik und die immens gestiegenen Energiepreise treffen trotz Maßnahmen der Regierung verstärkt jetzt auch die Mitte der Gesellschaft“, erklärte AK-Präsident Günther Goach. Jedoch steigt die erwartete Auftragslage der Kärntner Unternehmen laut der Befragung sehr stark an. Dies deckt sich mit anderen Konjunkturerhebungen. Die erste Jahreshälfte 2022 entwickelte sich sehr robust, trotz des Einbruchs des Konjunkturbarometers auf 10 Indexpunkte.

Beurteilung der Auftragslage positiv

Der Handel und die weniger technologieintensiven Industriezweige weisen verhaltene Erwartungen auf, im Gegensatz zur Informations- und Kommunikationsbranche sowie den Energie- und Wasserversorgungsbereichen: 100-prozentig positive Erwartung für zukünftige Auftragslagen. Auch in der Gastronomie gibt es noch relativ positive Erwartungen.

„Kernbereiche der Kärntner Wirtschaft, wie Elektronik, Holzwirtschaft und Tourismus, können potenziell von den zukünftigen Entwicklungen profitieren, aber gerade energieintensive Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen“, betonte Eric Kirschner, wissenschaftlicher Begleiter und Head of Research Group vom Joanneum Research. Die energieintensiven Unternehmen aus der Eisen- und Stahlindustrie, der Papierindustrie, der chemischen Industrie oder der Mineralrohstoffindustrie werden von der derzeitigen Inflation wesentlich härter getroffen als Dienstleistungsunternehmen – „Das wird auch Kärnten stark treffen, darum müssen diese Unternehmen in die Maßnahmenplanung idealerweise eingebunden werden“, unterstrich Kirschner.

Fachkräftemangel verfestigt sich

Der Fachkräftemangel stellt sich – wie bereits in den Jahren zuvor – als großes Problem für die Betriebe dar. 65 Prozent (2021: 63 Prozent) aller befragten Betriebsräte gaben an, dass offene Stellen nicht besetzt werden können. Dieser Mismatch am Arbeitsmarkt bleibt bestehen: „Die schnelle wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie verschärfte den Mangel an Fachkräften. Zudem befeuern der demografische Wandel und die Steigerung des Lohnniveaus in Südosteuropa das Problem weiter“, so Kirschner.  Der Fachkräftemangel ist auch auf dem Lehrlingsmarkt deutlich spürbar. Das Verhältnis zwischen den Lehrstellensuchenden und offenen Stellen hat sich im Vergleich zu 2020 gedreht. Der Überhang an Lehrstellenangeboten ist im Fremdenverkehr, bei Handels- und Verkehrsberufen, Metall- und Elektroberufen sowie Bauberufen am größten.

Investitionsbereitschaft stabil aber leicht rückläufig

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen laut Betriebsräte von 75 auf 72 Prozent gesunken. Das Investitionsniveau bleibt jedoch stabil. Gebäude sind weiterhin die wichtigsten Investitionsposten mit 73 Prozent, gefolgt von Maschinen (54 Prozent), Umweltschutz (41 Prozent) und Forschung und Entwicklung (18 Prozent).

Maßnahmen setzen und auf die Ärmsten spezialisieren

Ärmere Haushalte und viele Unternehmen werden über den Winter Unterstützungen benötigen. „Dabei sind zielgerichtete Unterstützungsleistungen notwendig, da das Gießkannenprinzip, die ohnehin hohe Inflation weiter befeuern würde“, erklärte Kirschner und ist speziell für die Maßnahmenergreifung am Energiemarkt: „Die Änderung des „Merit-Order“-Prinzips an den Strommärkten wäre schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Um dem Fachkräftemangel und den brachliegenden Erwerbspotenzialen entgegenzuwirken, müsste an Stellschrauben gedreht werden:

  • Alterserwerbspartizipation: Anreize, um das tatsächliche Pensionsantrittsalter zu erhöhen
  • Frauenerwerbspartizipation: Kinderbetreuungsmöglichkeiten schaffen, um Frauen zu unterstützen und auch Wege aus der Teilzeit anbieten
  • Qualifizierte Zuwanderung: Ausbildungsinitiativen, Unterstützung gezielter Zuwanderung und bessere Integration auch am Arbeitsmarkt
  • Betriebliche Ausbildung sowie Höher- und Umqualifizierung
  • Erreichbarkeit und Mobilität fördern: Den strukturellen Schwächen in der Peripherie über eine Verbesserung der öffentlichen Erreichbarkeitsverhältnisse entgegenwirken
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