Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Pkw-Verbrauchswerte: Konsumentenrecht auf faire Information muss sein

„Die gravierenden Unterschiede zwischen Prospekt und Wirklichkeit bei den Angaben zum Spritverbrauch gehen auf Kosten der Autofahrerinnen und Autofahrer. Und sie verursachen teure Umwelt- und Gesundheitsschäden für die Allgemeinheit“, sagt die Leiterin der AK Abteilung Umwelt und Verkehr, Sylvia Leodolter. Wenn die Herstellerangaben gestimmt hätten, hätte sich die österreichische Volkswirtschaft 900 Millionen an Spritkosten im Jahr 2013 und allein für das Jahr 2010 fast 438 Millionen Euro an Folgekosten wegen abweichender Stickoxidemissionen durch Diesel-Pkw erspart, so eine neue Studie des Umweltbundesamtes im Auftrag der AK.  

Verbrauchsangaben liegen weit entfernt von den realen Werten

Erstmals liegen objektive  Angaben über den realen Verbrauch der 30 zulassungsstärksten Pkw-Modelle am österreichischen Markt vor. Ergebnis: Egal ob Diesel oder Benziner: Die Verbrauchsangaben in den Prospekten von nahezu allen gängigen Automarken liegen weit entfernt von den realen Werten. „Die EU muss endlich dafür sorgen, dass die Prüfverfahren mit der Realität übereinstimmen“, so Leodolter. KonsumentInnen und SteuerzahlerInnen hätten ein Recht auf faire Information, denn am Ende zahlen sie für den Verbrauch und die Folgekosten für Umwelt und Gesundheit. „Die aktuelle Debatte   darf sich nicht nur auf das Fehlverhalten eines Konzerns konzentrieren. Sie muss das Übel an der Wurzel packen und realitätsnahe Prüfverfahren für alle Autohersteller in Europa durchsetzen. Es braucht dringend eine effektive Kontrolle der Verbrauchsangaben“, forderte Leodolter anlässlich der AK Veranstaltung „PKW-Normverbrauch am Prüfstand“.  

Die vorgestellte Studie zeigt ganz deutlich, dass seit dem Jahr 2000 die Schere zwischen den Sprit-Verbrauchsangaben der Autohersteller und dem realen Spritverbrauch immer weiter aufgegangen ist. Die Kluft ist bis zum Jahr 2013 auf 27 Prozent angewachsen. Wird nichts getan, steigt sie 2020 auf 48 Prozent an. Erschreckend bei gesundheitsgefährdenden Stickoxidemissionen: Trotz neuer EU-Abgasnormen (Euro 4, 5 und 6) hat es bei den realen Diesel-Pkw-Emissionen in den letzten 10 Jahren keinen nennenswerten Rückgang gegeben: „Dass in den vergangenen Jahren die Schlupflöcher in den Prüfverfahren nicht beseitigt wurden, ist  auch auf die starke Lobby der Autoindustrie in Deutschland und in Brüssel zurückzuführen“, sagt Leodolter. Die Lobbyausgaben der Automobilkonzerne und ihrer Verbände in Brüssel werden insgesamt auf mehr als 18 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Strengere Abgaswerte und Kontrollsysteme seit den 90er Jahren wurden verhindert, verwässert und verzögert. „Nutzen wir jetzt die Debatte, um mit neuen verbindlichen und überprüfbaren Verfahren mehr Kostenwahrheit für die Konsumentinnen und Konsumenten, zu schaffen.“

Unrealistische Prüfverfahren sind teuer für alle:

Teuer für die KonsumentInnen

Die KonsumentInnen zahlen drauf, wenn Sie die Spritverbrauchsangaben im Prospekt beim Autokauf für ihre Spritkostenplanung nutzen: Ein Hyundai IX 20 1,4 mit 66 kW  mit  Benzinantrieb hat laut Prospekt einen  Normverbrauch von 5,55 Liter auf 100 Kilometer. Bei etwa 15.000 km pro Jahr  muss er laut Herstellerangaben mit einem durchschnittlichen Jahresspritpreis (Oktober 2014 bis Oktober 2015) von 1,223 Euro/Liter mit rund 1.020 Euro an Spritkosten im Jahr rechnen. Der reale Verbrauch laut der Studie des Umweltbundesamts liegt aber bei rund 1.500 Euro, also über 480 Euro mehr pro Jahr. 

Teuer für die Umwelt

Die Einhaltung der Kyoto-Ziele wäre Österreich leichter gefallen, wenn die Pkws in Österreich nur so viel des klimaschädlichen Kohlendioxids ausgestoßen hätten, wie angegeben, nämlich zwischen 2008 und 2012 rund 6,3 Millionen Tonnen. Das hätte den Österreichischen SteuerzahlerInnen rund 39 Millionen Euro an Zahlungen für Emissionszertifikate erspart. Die Lücke zwischen der offiziellen EU-Abgasnorm und den tatsächlichen Stickoxidemissionen (NOx-Emissionen) eines Diesel-Pkw ist ebenso erheblich. Für Österreich resultieren daraus 25.000 von 144.000 Tonnen  NOx-Emissionen im Jahr 2010. Das macht alleine 438 Millionen Euro an Folgekosten für die Allgemeinheit aus, etwa für Gesundheitskosten, Arbeitsausfall, Versauerung von Böden, wenn nach anerkannten Kostensätzen der EU-Kommission gerechnet wird.

Forderung
  • Die EU muss den neuen Prüfzyklus WLTC rasch einführen und reale Emissionen und Fahrbedingungen dabei berücksichtigen

  • Effektive Kontrollen auf EU- und nationaler Ebene müssen aus einem Guss sein: Wer was kontrolliert, darf nicht länger von den Pkw-Herstellern bestimmt werden. Stichprobenprüfungen der Herstellerangaben müssen auch nach der Pkw-Typisierung erfolgen

  • Bisher liefern vor allem die Autohersteller selbst die technische Expertise für die EU-Gesetzgebung. Das muss sich ändern. Es braucht mehr unabhängige Expertise bei den Behörden und mehr Beteiligung von Umwelt- und Konsumentenschutzorganisationen.

  • Bisher blockiert vor allem Deutschland eine neue und einheitliche EU-Umweltkennzeichnung beim Autokauf. Diese muss jetzt endlich kommen, damit die KonsumentInnen faire und leichter verständliche Informationen bekommen.
TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen
Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK