18.09.2017
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Bessere Jobchancen dank Ausbau der Kinderbetreuung

Das dritte Wiedereinstiegsmonitoring der Arbeiterkammer zeigt: Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen der vergangenen Jahre geht einher mit deutlich kürzeren Berufsunterbrechungen bei Frauen. Es gibt ein Mehr an Väterbeteiligung. Das längste Kinderbetreuungsgeld-Modell verliert kontinuierlich an Bedeutung. Die Baby-Pause bringt allerdings nach wie vor beträchtliche längerfristige Einkommensverluste für Frauen. Für Männer zeigt die Erhebung dagegen keine Nachteile.

Die Dauer der Berufsunterbrechung bei Frauen geht zurück

Waren Frauen mit Geburten 2006, die vor der Geburt gut erwerbsintegriert waren, noch durchschnittlich 732 Tage nach der Geburt zu Hause, hat sich die Dauer auf 607 Tage 2012 verkürzt. Damit kehren Frauen 4 Monate früher zurück in den Beruf.

Entwicklung der Unterbrechungsdauer der Frauen in Tagen

Vor der Geburt gut erwerbsintegrierte Frauen, die (noch) keinen Wiedereinstieg hatten © Wiedereinstiegsmonitoring 2017, AK Wien

Mit Ende der arbeitsrechtlichen Karenzdauer, dem 2. Geburtstag des Kindes, waren 2006 nur 49 Prozent wieder erwerbstätig, 2012 waren es bereits 60 Prozent.

Was sind die Ursachen:

  • Die Kurzmodelle beim Kinderbetreuungsgeld werden genutzt und führen zu einer Verkürzung der Berufsunterbrechung 

  • Vermehrt partnerschaftliche Teilung

  • Deutlich mehr Plätze für unter 3-Jährige Kinder durch Investitionen des Bundes

Die KBG-Reformen unterstützen den früheren Wiedereinstieg

Ab dem Jahr 2008 gab es für Eltern die Möglichkeiten, neben der Langvariante des Kinderbetreuungsgeldes (30+6 Monate) die neu eingeführten Kurzmodelle, das 15+3 und das 20+4 Modell, zu wählen. Die Nutzung des längeren 30+6 Modells geht seit diesem Zeitpunkt kontinuierlich zugunsten der neuen Modelle zurück und liegt bei Frauen mit Geburten 2014, die davor gut erwerbsintegriert waren nur mehr bei 29 Prozent. In dieser Gruppe gewann insbesondere das einkommensabhängige KBG, das 2010 eingeführt wurde, kontinuierlich an Attraktivität und ist mit 34 % Nutzerinnenanteil am beliebtesten. Viel genutzt wird mit 28 % auch das 20 + 4 Modell, das am besten mit der arbeitsrechtlichen Karenzdauer zusammenpasst. 

Bei den Frauen, die nicht oder schlecht erwerbsintegriert waren, ist dennoch die Langvariante 30+6 mit 50 % -Anteil, das mit Abstand meist genutzte Modell – wenn auch hier mit deutlich und kontinuierlich sinkendem Anteil.  

So ist auch der Wiedereinstieg beim 20+4 Modell deutlich früher als beim Modell 30+6. 71% der Frauen, die diese Variante gewählt haben, sind mit dem 2. Geburtstag wieder erwerbstätig, beim Modell 30+6 liegt die Wiedereinstiegsquote bei nur 34% (gut erwerbsintegrierte Frauen mit Geburten 2012).

Die Einführung des Kinderbetreuungsgeldkontos ab März 2017 ist durch die flexiblere Rückkehrmöglichkeit ein weiterer wichtiger Schritt zur Unterstützung des Wiedereinstiegs von Frauen. Zusätzlich ist die negative Anreizwirkung, dass bei längerem Modell mehr Geld gebührt, abgeschafft worden. Beim Konto bekommen alle insgesamt gleich viel Geld.  

Deutlich Steigerung bei der Väterbeteiligung

– allerdings nach wie vor wenig partnerschaftliche Teilung

2013 waren bei 12 % der Paare auch der Vater in Karenz, 2006 waren es nur 3 % (Paare, in denen die Frau vor der Geburt gut erwerbsintegriert war).

Immer mehr Männer beziehen Kinderbetreuungsgeld: Bei den gut erwerbsintegrierten Männern ist die Zahl sehr stark von 3.583 Beziehern 2006 auf 9.636 im Jahr 2014 gestiegen. Bei vor der Karenz nicht oder schlecht erwerbsintegrierten Männern gibt es dagegen nur eine geringe Steigerung.

Allerdings steigen vor allem die kurzen Unterbrechungen. Während mehr Väter KBG beziehen, ist die Unterbrechungsdauer zurückgegangen.

Anzahl der Väter mit Kinderbetreuungsgeldbezug und Unterbrechungsdauer

Vor dem KBG-Bezug gut erwerbsintegrierte Männer © Wiedereinstiegsmonitoring 2017, AK Wien

Die kürzere Bezugsdauer ist auf die Verkürzung der Mindestbezugsdauer auf 2 Monate mit der Reform des KBG 2010 zurückzuführen. Viele Männer orientieren sich also bei den Modellen jeweils an der geringstmöglichen Zahl an Monaten. Hier braucht es positive Anreize für eine stärker partnerschaftliche Teilung, wie etwa den 2017 eingeführten Partnerschaftsbonus.

Väterkarenz erleichtert Wiedereinstieg von Frauen

Eine Teilung der Karenz mit ihrem Partner erleichtert Frauen den Wiedereinstieg. Von jenen Frauen, die zuvor überwiegend beschäftigt waren und 2012 eine Geburt hatten, sind 74 % bis zum 2. Geburtstag des Kindes wieder erwerbstätig, wenn der Partner auch Karenz in Anspruch genommen hat.

Nimmt der Partner zwar KBG in Anspruch, unterbricht die Erwerbstätigkeit dabei aber nicht, sinkt die Wiedereinstiegsquote der Frauen auf 67%. Es ist anzunehmen, dass ein Teil dieser Männer eine Arbeitszeitreduktion mit dem KBG-Bezug verbindet, was allerdings aufgrund der fehlenden Erfassung von Teilzeitdaten beim Hauptverband im Wiedereinstiegsmonitoring nicht beobachtet werden kann.

Am niedrigsten sind die Wiedereinstiegsquoten bei Frauen, deren Partner sich nicht am KBG-Bezug beteiligen, und zwar 58 %. Nur Alleinerzieherinnen liegen mit 53 % noch darunter. Sie haben damit beim Wiedereinstieg, der entscheidenden Phase für eine gute Erwerbsintegration, nach wie vor die größten Schwierigkeiten.

Wiedereinstiegsquoten Frauen mit und ohne Väterbeteiligung

Vor der Geburt gut erwerbsintegrierte Frauen; ausgenommen sind Frauen, die erneut in Kinderkarenz sind © Wiedereinstiegsmonitoring 2017, AK Wien

Der Ausbau der Kinderbetreuung wirkt!

Neben der Anreizwirkung durch die kürzeren Modelle seit 2008 kann davon ausgegangen werden, dass der beschleunigte Ausbau der Kinderbetreuung ab 2008 durch die Anstoßfinanzierung des Bundes ein wesentlicher Grund für den positiven Trend ist.

In ganz Österreich haben sich im Zeitraum von 2007/08 bis 2014/15 die Kinderbetreuungsplätze für Unter-Dreijährige um 29.500 auf rund 57.500 Plätze erhöht. Mehr als 20.000 von diesen Plätzen, die dazu gekommen sind, sind Plätze, die den VIF-Kriterien entsprechen, also mit einer Vollzeitberufstätigkeit vereinbar sind.

Der Vergleich von Wien mit Österreich zeigt, dass die Wiedereinstiegsquoten bei den Frauen in Wien im Vergleich zu anderen Städten deutlich besser sind: Bei zuvor gut erwerbsintegrierten Frauen mit Geburten 2012 sind zum 2. Geburtstag des Kindes bereits 69 % wieder eingestiegen, in ähnlichen Städten dagegen nur 61 %. Die Wiedereinstiegsquoten liegen mit 58 % bei Gebieten mit mittlerer Besiedlungsdichte (Städte und Vororte) und 57 % bei ländlichen Gebiete noch etwas niedriger.

Wiedereinstiegsquoten der Frauen nach Siedlungsdichte

Vor der Geburt gut erwerbsintegrierte Frauen © Wiedereinstiegsmonitoring 2017, AK Wien

Ein Blick auf die Kinderbetreuungsquoten legt nahe, dass ein wesentlicher Grund für die besseren Wiedereinstiegschancen in Wien die deutlich besser ausgebaute Kinderbetreuungsinfrastruktur im Vergleich zu den anderen Städten ist: Während in Wien 2014/15 nach Daten der Statistik Austria 40% der Unter-Dreijährigen in einer Kinderbetreuungseinrichtung betreut wurden, waren es in den ähnlich dichtbesiedelten Städten Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt deutlich weniger, nämlich nur zwischen 20% und 31%.

Werden zusätzlich noch die Öffnungszeiten berücksichtigt, die sich mit einer Vollzeitarbeit vereinbaren lassen, sind auch hier die Unterschiede beträchtlich: In Wien sind 39% der Kleinkinder in Betreuungseinrichtungen, die den VIF-Kriterien entsprechen, in den anderen Städten liegen sie zwischen 15 % und 20 % (Quelle: AK-Auswertung auf Basis der Kindertagesheimstatistik 2014/2015 der Statistik Austria)

Was bringt die aktuellste Reform des Karenzrechts?

Die aktuellste Reform beim Kinderbetreuungsgeld 2017 (gilt für Geburten ab 1. März 2017) – die Einführung des Kinderbetreuungsgeldkontos – ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung partnerschaftlicher Teilung der Elternzeit: So soll durch Einführung des Partnerschaftsbonus bei annähernd gleicher Aufteilung des Bezugs und eines höheren Partneranteils bei Teilung des KBG-Bezugs die Väterbeteiligung weiter erhöht werden. Weiters wird erwartet, dass die flexibleren Gestaltungsmöglichkeiten des KBG-Bezugs und die Abschaffung der Benachteiligung bezüglich der Höhe des Gesamtbezuges des Kinderbetreuungsgeldes kürzere Unterbrechungen von Frauen besser unterstützen, was den Wiedereinstiegschancen von Frauen nützt.  

Durch die flexible Bezugsdauer kann auch die Rückkehr zum Arbeitgeber und die Verfügbarkeit des Betreuungsangebotes besser abgestimmt werden. Damit besteht mit dem KBG-Konto die Chance auf eine bessere Planung des Wiedereinstiegs.  

Damit diese Anreize auch greifen können, muss allerdings auch der Ausbau der Kinderbetreuung durch eine Fortsetzung der Bundesmittel über 2017 hinaus weiter vorangetrieben werden.

Herausforderung: Einkommensnachteile nach der Karenz

Frauen müssen durch Karenz und Teilzeit deutliche Einkommensnachteile in Kauf nehmen. So hatte die Hälfte der Frauen mit Geburten 2010 vor der Geburt ein Bruttoeinkommen von Euro 2000 und mehr, im fünften Jahr danach erreichen nur mehr 31 % dieses Einkommen. Ergebnisse aus den Jahren 2006 bis 2009 mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen (bis maximal 8. Jahr) zeigen, dass auch in den Folgejahren die Einkommen der Frauen nur sehr langsam steigen. Für Männer sind dagegen keine Einkommensverluste feststellbar. Männer mit Beginn des Kinderbetreuungsgeldbezuges 2010 haben nur im ersten Jahr, d.h. im Jahr des Bezugs des KBGs einen kleinen Einkommensverlust gegenüber der Zeit davor. Der Anteil der Männer mit Einkommen ab 2000 Euro verringert sich von 67 % auf 64 %. Allerdings fallen bereits im 2. Jahr nach Beginn des Kinderbetreuungsgeldbezuges mit 70 % mehr Männer als vor dem Kinderbetreuungsgeld-Bezug in dieses Einkommenssegment.

Was muss jetzt weiter geschehen?

Ausbau der Kinderbetreuung: Der Ausbau der Kinderbetreuung hat sich positiv auf den Wiedereinstieg ausgewirkt. Allerdings müssen die Anstrengungen fortgesetzt werden. Die Anstoßfinanzierung soll zwar jetzt bis August 2018 verlängert werden. Aber notwendig wären Investitionen über weitere Jahre. Die AK fordert daher, dass jährlich 100 Mio. Euro durch den Bund bereitgestellt werden, um den Ausbau der Plätze für unter 3-Jährige und eine Verbesserung der Öffnungszeiten zu unterstützen. Allein um das Barcelona-Ziel einer Betreuungsquote von einem Drittel bei den Unter-Dreijährigen zu erreichen fehlen uns 19.400 Plätze.

Zudem müssen Gemeinden, die in Kinderbetreuungs- und -bildungseinrichtungen investieren, bei den laufenden Kosten für Personal und Instandhaltung unterstützt werden. Das ist derzeit nicht der Fall. Die AK setzt sich daher für die Berücksichtigung von Investitionen in Kinderbetreuung im Rahmen eines aufgabenorientierten Finanzausgleichs ein. Das Prinzip, wer mehr investiert, soll mehr bekommen, muss eingeführt werden – sei es im Finanzausgleich oder einem eigenen Fonds für Kinderbetreuung- und -bildung.

Investitionen in Kinderbetreuung sind eine Zukunftsinvestition. Sie bringen auf vielen Ebenen Vorteile. Sie sind eine Frühförderung für die Kinder, sie erleichtern den Wiedereinstieg und haben zudem positive Beschäftigungseffekte.

Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung ist besonders wichtig für Alleinerzieherinnen. Österreichweit gehen 40,5 Prozent aller Ehen auseinander. Alleinerzieherinnen sind stärker armutsgefährdet als die durchschnittliche Bevölkerung. Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass der Wiedereinstieg für diese Gruppe besonders schwer ist.

Stärkere Förderung der partnerschaftlichen Teilung: Damit der Papamonat auch genutzt werden kann und nicht vom good will des Unternehmens abhängig ist, braucht es einen arbeitsrechtlichen Rechtsanspruch samt Kündigungsschutz. Außerdem soll der Familienzeitbonus in Höhe von 700 Euro für den Papamonat nicht mehr vom Kinderbetreuungsgeld abgezogen werden.

Vereinfachung der Antragstellung auf das KBG-Konto: das aus dem KBG-Rechner ausgewählte Modell soll direkt mit dem Antrag verknüpft werden und eine Online-Antragstellung wie bei Finanz-Online ermöglichen. Das Ministerium ist aufgefordert hier mit den Behörden, die die Abwicklung in der Praxis übernehmen, sprich den Gebietskrankenkassen, besonders eng zu kooperieren. Auch wir als AK geben gerne unser Knowhow aus unserer Beratungspraxis weiter.

Mehr Schutz vor Schikanen beim Wiedereinstieg: Eine Erhebung aus der Beratung der AK Wien im Herbst 2016 hat gezeigt, dass Benachteiligungen von Müttern häufig vorkommen und im Schnitt täglich zumindest ein neuer Fall von Diskriminierung beim Wiedereinstieg auftritt. Die Probleme der Betroffenen reichen von Verschlechterungen des Arbeitsklimas über Zuweisung schlechterer Tätigkeiten, Verlust der Führungsposition bis hin zu Beendigungen. Um diese Benachteiligungen zu verhindern, soll der Arbeitgeber die gerichtliche Zustimmung einholen müssen, wenn er bei der Rückkehr nach der Elternkarenz in den Betrieb eine Versetzung der Arbeitnehmerin bzw. des Arbeitnehmers beabsichtigt.

Betriebliche Unterstützung: Damit der Wiedereinstieg gelingt, braucht es auch aufgeschlossene Betriebe, die familienfreundliche Rahmenbedingungen für Mütter und Väter anbieten. Daher braucht es mehr strukturelle Unterstützung beim Wiedereinstieg im Betrieb, z.B. in Form eines Karenzmanagements. Außerdem braucht es auch in kleineren Betrieben einen Rechtsanspruch auf Elternteilzeit und Änderung der Lage der Arbeitszeit. Denn die Erfahrungen aus der AK-Beratung und die Ergebnisse des Wiedereinstiegsmonitorings zeigen, dass in Kleinbetrieben der Wiedereinstieg schwieriger ist. Ob Väterkarenz in Anspruch genommen wird, hängt zudem auch damit zusammen, wie aufgeschlossen Unternehmen dem gegenüberstehen. 

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