7.12.2017
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Keine Verschlechterungen bei der Arbeitszeit für die Arbeitnehmer

Eine Ausweitung der Arbeitszeiten soll fixer Bestandteil des Koalitionsabkommen werden. „Aber solche Vorhaben dürfen nicht als Einbahnstraße ausgestaltet werden“, sagt Rudi Kaske, Präsident der Bundesarbeitskammer, in Richtung von ÖVP und FPÖ. Eine weitere Ausweitung dürfe nicht zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gehen. Die Ankündigung, die Ausweitung der Arbeitszeit bei Fehlen eines Betriebsrates zum Gegenstand direkter Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern machen zu wollen, lässt bei Kaske die Alarmglocken schrillen. Den Beschäftigten bläst auf dem Arbeitsmarkt bereits jetzt ein kalter Wind entgegen, der Druck auf die Einzelne oder den Einzelnen könnte sich dadurch noch massiv erhöhen. Darüber hinaus weichen die Koalitionsverhandler mit diesem Vorhaben auch von ihren propagierten Programmen ab, kritisiert Kaske. So betonen beide Parteien in ihren Programmen die Notwendigkeit einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Wie dieses Versprechen mit einem 12-Stunden-Arbeitstag zusammenpasst, ist mir ein Rätsel und das müssen mir die beiden Parteien einmal erklären. Die Arbeitnehmer wollen und brauchen gerechte Entlohnung auch von Mehr- und Überstundenarbeit, Planbarkeit und Zeitsouveränität, eine Arbeit, die nicht auf Kosten der Gesundheit geht und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Die Gewerkschaften haben in den Kollektivverträgen ausgezeichnete Branchenlösungen verhandelt. Daher werde schon jetzt in Österreich sehr flexibel gearbeitet. Einen nicht unbeträchtlichen Teil tragen dazu auch die vielen unvergüteten Mehr- und Überstunden bei, die schon jetzt geleistet werden und die ausschließlich den Arbeitgebern zugutekommen. Schon jetzt sind von den rund über 254 Millionen Überstunden, die pro Jahr geleistet werden, rund 52 Millionen nicht bezahlt. Ausgehend davon, dass die überwiegende Zahl der Überstunden innerhalb des gesetzlichen Rahmens geleistet wird, bedeutet die Ausweitung der Arbeitszeit, dass derzeit geleistete Überstundenzuschläge entfallen. Damit stehen bis zu 1,5 Milliarden Euro für die Arbeitnehmern auf dem Spiel. Kaske: „Bei der Arbeitszeit geht es nicht nur um die Wünsche der Wirtschaft. Die Arbeitnehmer haben ein Recht auf Familienleben und Freizeit.“

„Wir wollen Fortschritt, keinen Rückschritt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Gesundheit der Beschäftigten sind wichtige Parameter, wenn man über eine Ausweitung der Arbeitszeiten spricht“, sagt Kaske. „Nur wer genügend Regenerationsphasen im Arbeitsleben hat, kann langfristig gesund bleiben und damit auch gute Arbeit verrichten.“ Aus arbeitsmedizinischer und arbeitswissenschaftlicher Sicht sind Arbeitszeiten über einen längeren Zeitraum betrachtet von täglich mehr als acht Stunden abzulehnen, weil durch die lange Arbeitsdauer körperliche, psychische und gesundheitliche Belastungen entstehen, die die Gesundheit der Arbeitnehmer enorm gefährden. Bei längeren Arbeitszeiten steigt die Ermüdung, was mittelfristig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Auch die Produktivität sinkt, je länger man arbeitet.

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