Proteinriegel & Drinks: Zweifelhafter Trend

Eiweißreiche Riegel und Drinks gibt es mittlerweile auch im Supermarkt. Wie sinnvoll ist diese Proteinnahrung?

Lifestyle-Marketing

Alle großen Ketten führen sie häufig als sogenannte Sportlernahrung im Angebot. Zum Kundenkreis zählen dabei nicht nur Sportler, sondern auch ernährungsbewusste Menschen, die ihre Eiweißzufuhr etwas erhöhen oder abnehmen wollen, und aus diesem Grund die Aufnahme von Kohlehydraten reduzieren möchten. Über den gestiegenen Absatz freut nicht zuletzt die Milchwirtschaft, bildet doch das Abfallprodukt Molke die Basis für viele der Superfoods. Die Zusammensetzung der Produkte stellt dabei meist keine besondere Innovation dar. Ihre Attraktivität erhalten sie durch die Vermarktung als Lifestyle-Präparate, die fit und attraktiv machen sollen.

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Nicht überzeugend

Am häufigsten findet man in den Regalen Proteinriegel, gefolgt von Proteinshakes. Aber das Eiweiß gibt es auch zum Knabbern oder wird als Zusatz im Pudding angeboten. Mehr als 40 dieser Produkte hat das Testmagazin KONSUMENT hinsichtlich ihres Gehalts an Zucker, Zuckeraustauschstoffen sowie Proteinen unter die Lupe genommen. Ergebnis: Die Proteinnahrung kann bezüglich ihrer Zusammensetzung nicht überzeugen. Teilweise steckt in den Riegeln und Drinks viel zu viel Zucker. In einigen Produkten ist wiederum der Gehalt an Süßungsmitteln wie etwa Zuckeralkoholen so hoch, dass beim Konsum eine abführende Wirkung eintreten kann. Außerdem sind die Produkte teuer. Der Durchschnittspreis liegt bei 1,7 Euro pro Portion. Konsumiert man nur ein Produkt pro Tag, summiert sich dies auf gute 50 Euro im Monat.

Unnötige Proteine

Die enthaltenen Proteine sind jedenfalls kein Argument, um auf die Spezialprodukte zurückzugreifen. „Der Proteinbedarf kann problemlos über ganz normale Lebensmittel, etwa Fisch, Fleisch, Soja, Erbsen, Topfen oder Buttermilch gedeckt werden. Damit lässt sich nicht nur viel Geld sparen sondern auch unnötige Kalorien und Zusatzstoffe, die sich oft in den Sportprodukten finden. Nur wenn eine Versorgungslücke besteht, macht es Sinn, auf Produkte zurückzugreifen, denen Proteine künstlich zugesetzt worden sind“, weiß VKI-Ernährungsexpertin Nina Siegenthaler vom VKI.

Beispiele

Sports Factory 50 % Protein Riegel Cookies –Cream © VKI

Proteinbombe

Sports Factory 50 % Protein Riegel Cookies –Cream

Optimum Nutritio Protein Whipped Bites Strawberry & Cream © VKI

Süßstoffbombe

Optimum Nutritio Protein Whipped Bites Strawberry & Cream

Fitmeals Lower Carb Protein Crossies © VKI

Kohlenhydratbombe

Fitmeals Lower Carb Protein Crossies

Arla Protein Drink 25g Schoko Geschmack © VKI

Zuckerbombe

Arla Protein Drink 25g Schoko Geschmack

Unklare Folgen

Die Expertin rät auch aus gesundheitlichen Gründen von einer Überversorgung mit Proteinen ab. Zwar seien die Folgen einer dauerhaft erhöhten Proteinzufuhr im Körper bislang nur wenig erforscht. „Man weiß allerdings, dass eine erhöhte Eiweißaufnahme, zu einer Belastung für die Nieren führt. Darüber hinaus steigt die Ammoniakproduktion im Körper und das macht müde. Zudem enthalten viele der Eiweißprodukte größere Phosphatmengen, was wiederum die Calciumaufnahme negativ beeinflusst. Dies ist schlecht für den Knochenaufbau“, sagt Nina Siegenthaler.

Proteine und Sport

Am sinnvollsten ist es, Proteine – etwa in Form von Topfencreme oder Buttermilch – ein bis eineinhalb Stunden vor dem Training aufzunehmen. Dadurch wird die Muskelproteinsynthese während des Trainings gefördert. Während des Krafttrainings ist keine zusätzliche Eiweißzufuhr nötig. Bei Ausdauersport macht eine Proteinzufuhr ab vier Stunden Sinn, ansonsten genügt es, auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung zu achten. Nach einem Training wird die Muskelproteinsynthese über eine Dauer von 24 – 48 Stunden stimuliert. Um zu verhindern, dass es zu einem Muskel-Protein-Abbau kommt, sollte man unmittelbar nach dem Training eine proteinreiche und möglichst fettarme Mahlzeit zu sich nehmen. 

Alle Details (kostenpflichtig): www.konsument.at/eiweißprodukte012019

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