20.9.2017

Kinderschuhe: Nur ein „Sehr gut“ im Zeugnis

Kinder lieben bunte und stylische Schuhe. Aber passen sie ihnen auch? Und sind sie frei von Schadstoffen? 

Vor allem bei Schuhen für die ganz Kleinen steppt der Bär: Lichteffekte, Prinzessinnenglitzer, Comic-Lieblinge – alles ist möglich. Und bunt geht es auch bei den trendigen Tretern für die Größeren zu. Doch Schuhe sollten die Füße vor allem schützen und unterstützen. Weil beides nicht immer zusammenpasst, kann das beim Schuhkauf zu emotionsgeladenen Diskussionen führen. Eltern brauchen da gute Nerven – und Hintergrundwissen. Der aktuelle Test zeigt: Auch ein hoher Preis ist keine Garantie dafür, dass ein Schuh dem Kinderfuß tatsächlich gut tut: Sagenhafte 104 Euro kostet das teuerste Modell, das es gerade einmal ins Mittelfeld schaffte. 

Nur ein Schuh ist „sehr gut“

Nicht nur beim teuren „bisgaard“, auch insgesamt sind die Testergebnisse kein Grund zum Jubeln. 20 Paar Halbschuhe beziehungsweise Sneaker mit und ohne Schnürung in den Größen 31 bis 35 wurden eingekauft. Nur ein einziges Modell, nämlich jenes von Richter, schaffte ein „sehr gut“. 

Schwachpunkt Sohle

Die Sohle muss nicht nur schützen, sondern auch stützen. Ist sie zu biegsam, bietet sie dem Fuß keinen Halt, was zur Überlastung der Muskulatur führt. Biegen sollte sich die Sohle aber ausschließlich hinter den Zehen, am sogenannten Ballenbiegepunkt. Ist sie dort zu steif, behindert sie den Fuß beim Abrollen. 

Irreführende Größenangaben

Kinderschuhe werden nach wie vor kaum sowohl mit Längen- als auch mit Breitenangabe ausgezeichnet. Top sind hier nur Richter, superfit und elefanten. Beim großen Rest gibt es dagegen  Verbesserungsbedarf. Tipp: Eltern sollten beim Schuhkauf vor allem ganz genau schauen, ob die Schuhlänge passt. Die Sprösslinge spüren keine Schmerzen, weil der Druck im Schuh relativ großflächig wirkt. Er nimmt durch das Fußwachstum auch nur langsam zu und wird deshalb nicht als unangenehm empfunden. Der sehr formbare kindliche Fuß gibt dem Druck im Schuh nach und wird damit allmählich in die Fehlstellung gedrängt.

Gift im Schuh

Kinderschuhe müssen nicht nur passen, sondern sollten auch frei von Schadstoffen sein. Besonders heikel ist hier Chrom VI, das beim Gerben von Leder entstehen kann. Es darf in Lederwaren, die mit menschlicher Haut in Berührung kommen, nicht enthalten sein, weil dadurch Allergien ausgelöst werden können. Erfreulicherweise war in keinem getesteten Schuh Chrom VI nachweisbar.

Problematisch ist die Lage bei den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die durch Weichmacheröle oder Ruß in Materialien gelangen können. Acht dieser PAK werden als krebserregend eingestuft. Bei Boyz wurden hohe Gehalte von zwei dieser gefährlichen PAK festgestellt. Auch andere Modelle sind mit PAK belastet, nicht in großen Mengen, aber PAK haben selbst in Spuren in Kinderschuhen einfach nichts verloren.

Fazit

Weder der Preis noch ein klingender Markenname oder kultiges Design garantieren einen tadellosen Kinderschuh. Auch wenn die Modelle alle anders aussehen, herrscht doch wenig Vielfalt. Die meisten Kinderschuhe kommen aus Fernost und ihre für die Passform entscheidende Innenausstattung wird häufig „über nur einen Leisten geschlagen“. Auch kompetente Beratung im Geschäft ist inzwischen Mangelware, weil qualifiziertes Fachpersonal im Verkauf kaum noch anzutreffen ist.

TIPP: Sohle raus oder Schablone rein

Die Passform eines Schuhs können Eltern mit der Einlegesohle überprüfen. Dafür die Sohle aus dem Schuh nehmen und das Kind draufstellen. Bleiben vor der längsten Zehe noch rund 15 Millimeter Platz, stimmt die Länge. Die Sohlenbreite im Fersenbereich muss der Ferse entsprechen. Im Vorfußbereich kann der belastete Fuß ein wenig über die Sohle hinausreichen, weil der Schuh breiter ist als die Einlegesohle.


Das Problem: Nicht bei allen Schuhmodellen kann die Sohle herausgenommen werden. In diesem Fall können Eltern die Passform eines Schuhs mit einer Schablone überprüfen: Das Kind daheim auf einen Karton stellen, den Umriss der Füße nachzeichnen, an der längsten Zehe 12 bis 17 Millimeter dazugeben, ausschneiden. Die Schablonen müssen sich mit den Schuh-Innensohlen decken. Ergeben sich Abweichungen in Länge und Breite, ist das Modell ungeeignet.


Detaillierte Testergebnisse (kostenpflichtig) www.konsument.at/kinderschuhe092017

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