Funktionsjacken: Auf Dauer nicht ganz dicht

Mit Membranen oder Beschichtungen gelten sie als super wasserdicht und atmungsaktiv. Ein Test deckt ihre Grenzen schonungslos auf. Mit jedem Mal Waschen verlieren sie an Dichtheit.

Widersprüchliche Anforderungen

Funktionsjacken sollen möglichst wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv sein. Von außen sollen sie kein Wasser durchlassen, umgekehrt müssen sie jedoch Schweiß (in Form von Dampf) nach außen ableiten. Das lässt sich aber durchaus kombinieren, jedenfalls seit der Entwicklung von Membranen, die Wasserdampfmoleküle durchlassen, die wesentlich größeren Wassertropfen aber abperlen lassen. Seit etwa 45 Jahren ist die Goretex-Membran ePTFE (expandiertes Polytetrafluorethylen) auf dem Markt; ihre Poren sind 770-mal größer als Wasserdampf und gleichzeitig 20.000-mal kleiner als ein Wassertropfen. Seither sind andere poröse Membranen entwickelt worden, aber auch porenlose Textilien aus Polyurethan (PU), die ähnliche Eigenschaften haben.

Mehrere Lagen

Funktionsjacken bestehen aus drei Schichten oder Lagen: dem Oberstoff, einer wasserdichten und atmungsaktiven Membran sowie dem Innenfutter; dieses soll die empfindliche Membran schützen und flüssigen Schweiß verteilen. Wer nicht gerade eine mehrtägige Hochgebirgstour plant, findet mit einer 2-Lagen-Jacke durchaus das Auslangen. Ihr Preis liegt üblicherweise um die 150 bis 200 Euro (ausgenommen Aktionspreise).

Regenturm statt Wassersäule

Die Wasserdichtheit eines Stoffes wird durch die Höhe einer theoretischen Wassersäule in Millimetern angegeben, die auf den Stoff drücken kann, ohne dass Wasser durch das Gewebe durchdringt. Viele Hersteller werben mit Wassersäulen von 10.000 oder gar 20.000 mm. Die Wassersäule ist aber nicht sehr aussagekräftig.  Relevanter sind die Ergebnisse der Starkregenprüfung. Dafür prasselten im Regenturm prasselten innerhalb von 2 Stunden 200 Liter künstlicher Regen pro Quadratmeter auf die mit den Jacken bekleideten Prüfpuppen. Im Neuzustand schafften die meisten Modelle noch gute bis sehr gute Ergebnisse. Nach dem fünften Waschgang hingegen war das Ergebnis durchwegs schlecht. Das Wasser perlte nicht mehr so gut ab, der Oberstoff saugte sich voll. Am besten schnitt noch Haglöfs ab: Gut ein Viertel des Baumwollleibchens unter der Jacke wurde nass. Kaum schlechter: Schöffel und Maier Sports.

Atmungsaktiv mit Grenzen 

Auch bei der Atmungsaktivität schaffte keine Jacke die Bestnote. Trotz der hochspezialisierten Laminate bleibt eben ein gewisser Widerspruch zwischen Wasserdichtheit und Dampfdurchlässigkeit bestehen. Und es gibt physikalische Grenzen: Das Temperaturgefälle zwischen innen (= Körpertemperatur) und außen muss mindestens 15 Grad C betragen. Und bei starker körperlicher Belastung, wenn es nicht mehr nur um Dampf geht, sondern der Schweiß sozusagen in Strömen fließt, kommt die Membran mit dem Abtransport nicht mehr nach. Belüftungsschlitze, speziell unter den Achseln, können da sehr hilfreich sein.


Imprägnieren muss sein

Die Atmungsaktivität wird auch blockiert, wenn der Oberstoff nicht imprägniert ist. Saugt sich dieser mit Flüssigkeit voll, kann der Dampf nicht nach außen transportiert werden. Die Imprägnierung muss von Zeit zu Zeit erneuert oder reaktiviert werden, vor allem nach einem Waschgang. Das Reaktivieren funktioniert durch Wärmebehandlung: entweder im Trockner, durch Bügeln auf niedriger Stufe oder mit einem Föhn. PFC-freie Textilien benötigen in der Regel aber keine Wärmebehandlung. Eine Neuimprägnierung kann durch Einwaschen eines flüssigen Imprägniermittels erfolgen oder durch Auftragen in Form eines Sprays. Folgen Sie den Empfehlungen des Herstellers. Sind keine Pflegehinweise zur Hand, so ist es am besten, einen für Membranen geeigneten Imprägnierspray zu verwenden – möglichst frei von PFC und Treibgasen. Das beeinträchtigt nicht die Funktionalität der Materialien und erlaubt eine gezielte Anwendung auf besonders beanspruchten Stellen.

 Alle Details zum Test und Testkriterien zum Nachlesen: www.konsument.at/funktionsjacken102020 (kostenpflichtig).

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