24.2.2016
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Fitnessarmbänder: Leere Kilometer

Die meisten Fitnessarmbänder sind weder marktreif noch sinnvoll. Eine kostenlose Handy-App tut annähernd denselben Dienst.

Verfälschte Ergebnisse. Die Armbänder arbeiten unpräzise, sind eher Bewegungsmelder als Schrittzähler. So wurden beim Praxistest Handbewegungen, etwa das Tippen am Computer, als Schritte gewertet, ebenso das Zähneputzen oder Wäscheaufhängen. Der Träger muss sich dabei keinen Meter vom Fleck gerührt haben – das Messgerät wertet Armbewegungen automatisch als Schritte und vermittelt dem Nutzer dadurch das Gefühl, mehr getan zu haben als er in Wahrheit hat. Sogar eine Fahrt mit der U-Bahn zählt als Aktivität und wird in Schritte umgerechnet. Von einer genauen Messung kann jedoch nicht die Rede sein.

Fragwürdige Herzfrequenzmessung. Ebenso wenig ist den Messungen der Herzfrequenz zu trauen. Erfolgen sie über einen Sensor am Handgelenk, sind sie ziemlich ungenau – man sollte sein Pulstraining daher nicht nach diesen Werten ausrichten. Besonders fragwürdig ist die angebliche Überwachung der Herzgesundheit beim Jawbone UP3. Das Gerät misst nämlich nur den Ruhepuls – und auch das auf schlampige Art und Weise. Präzise arbeiten lediglich die Modelle mit Brustgurt, Polar loop und Garmin vivosmart.

Liegen als Schlafen. Nicht überzeugen konnte außerdem die Erhebung der Schlafqualität. So wird die auf der Couch vor dem Fernseher verbrachte Zeit als Schlaf gemessen. Und der Nutzer schläft so lange, bis er den Modus händisch auf Wachzustand umstellt, ganz egal ob er einen Marathon gelaufen ist oder wirklich geschlummert hat. Immerhin ergibt sich ein positiver psychologischer Effekt, wenn die Uhr einem erklärt, dass man zu 85 Prozent effektiv geschlafen hat. Ein Nutzer, der der Info Glauben schenkt, fühlt sich womöglich gleich viel ausgeruhter.

Kleine Datenfresser. Die sensiblen persönlichen Daten, wie sie eben von Fitnessbändern erhoben werden, sind auf externen Servern der Anbieter oder in Clouds gespeichert. Die meisten Daten erhebt das Band von Sony, das in seiner Lifelog-Funktion so gut wie alles über den User wissen will, wenn auch nur mit dessen Zustimmung. Die beiden Fitbit-Modelle übertragen ohne Wissen des Nutzers sogar sämtliche auf Android gespeicherte E-Mail-Adressen. Bei Mio und Sony ist die Bluetooth-Verbindung zwischen Band und Smartphone nicht sicher. Menschen in der Umgebung, die dieselbe App verwenden, können mitunter ohne Identifizierung mit dem Band kommunizieren.

Eine Handyapp tut‘s auch. Eigentlich ist ein Fitnesstracker am Arm unnötig, so das Fazit aus den Tests. Denn wer seine Bewegungen aufzeichnen möchte, kann das genauso gut (oder besser gesagt: genauso schlecht) mit einem Gerät tun, das er ohnehin stets bei sich hat: dem Smartphone. Auch die Armbänder funktionieren erst im Zusammenspiel mit einer Handyapp oder einem am PC installierten Programm. In den Anwendungen werden die Daten ausgewertet. Zudem speichert das Smartphone ohnehin schon unzählige Nutzerdaten. Wer es zum Fitnesstracken benutzt, der entscheidet sich für das geringere Übel. Denn er erlaubt immerhin nicht, dass die Daten noch einen Umweg zu den Anbietern der Bänder machen. Diejenigen, die dennoch nicht auf ein Band verzichten wollen, sind mit den Modellen von Garmin oder Polar am besten beraten.

Detaillierte Testergebnisse (kostenpflichtig): www.konsument.at/fitnesstracker022016

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