2.4.2020

Babytragen und Tragetücher

Tragen ist sinnvoll. Denn evolutionsbiologisch sind unsere Babys „Traglinge“. Und beide Seiten, Eltern wie Kinder, profitieren vom Tragen. Für Mama und Papa bringt es ein Stück weit Unabhängigkeit: einfach, weil sie beide Hände frei haben, um den Alltag zu meistern. Auch der elterliche Rücken profitiert. Man ist nicht gezwungen, eine ungesunde Ausgleichshaltung einzunehmen, wenn man das Baby auf dem Arm hat und versucht, es zu beruhigen. Das kann Gold wert sein beim Kochen, Wäschewaschen oder wenn auch das ältere Geschwisterchen nach Aufmerksamkeit verlangt. Grundsätzlich gilt für alle Träger, von Mama (insbesondere in den ersten Tagen nach der Geburt) und Papa bis hin zu den Großeltern: langsam anfangen und Muskeln aufbauen.

Die Position nahe am Körper der Eltern gefällt Babys ungemein. Es beruhigt sie und stärkt die Eltern-Kind-Bindung fundamental, wie Viktoria Kindermann, Leiterin der Trageschule Wien, zu berichten weiß: „Getragene Kinder weinen nachweislich weniger als Babys, die nicht getragen werden.“ In der richtigen Haltung können Babys theoretisch rund um die Uhr getragen werden.

Das Tragen unterstützt zudem die Hüftreifung der Kleinen – vorausgesetzt, sie werden in Tragehilfen getragen, die eine M-förmige Beinhaltung unterstützen, die sogenannte Anhock-Spreizhaltung (die Knie liegen oberhalb des Beckens, die Beinchen formen ein M).

Der Test

Das Ergebnis ist durchwachsen. Es zeigt, dass es nicht einerlei ist, auf welches Produkt man im Glauben, sich und seinem Baby etwas Gutes zu tun, zurückgreift. Erfreulich: Neun der getesteten Modelle tragen das Urteil „gut“, darunter drei Vollschnallen-Tragen, zwei Halbschnallen-Tragen und alle getesteten Tragetücher. Aber: Daraus zu schließen, dass Tragetücher per se die bessere Wahl sind, ist zu kurz gegriffen. Prinzipiell ist kein System besser oder schlechter. Welches bevorzugt wird, ist primär Geschmacksache. Der Nachteil von Tüchern: Man muss eine Wickeltechnik erlernen und das Tuch vor dem Tragen jedes Mal neu binden.

Erfahrungen aus dem Praxistest

Im Test kritisierten die Probanden bei vielen der getesteten Tragen das Anbringen und Abnehmen in Rückenposition. Meist sollten die Kinder laut Bedienungsanleitung vor dem Bauch in die Trage gesetzt und dann um den Körper gedreht werden. Das ging beim Praxistest aber oft nur mit Unterstützung einer zweiten Person. Am besten funktionierte es bei den zwei getesteten gewebten Tragetüchern. Was die Testergebnisse leider schonungslos zeigen: Auch bei Tragehilfen gibt es Modelle, die verheerende Sicherheitsmängel aufweisen. In manchen sitzen v.a. Babys nicht optimal. Und zwei Produkte sind bei der strengen Schadstoffprüfung durchfallen. 

Welche Trageformen es gibt

  • Vollschnallen-Tragen: Werden wie ein Rucksack aufgesetzt und mit Gurten (Schnallen oder Klettverschluss) gesichert.
  • Halbschnallen-Tragen: Vereinen die Vorteile der Vollschnallen-Tragen (einfache Verschlüsse) mit dem individuellen Binden und Anpassen der Tücher.
  • Tragetücher: Es gibt gewebte und elastische Tücher. Letztere sind gestrickt, weich und passen sich der Körperform des Babys und des Trägers an. Sie dehnen sich etwas während des Tragens. Je nachgiebiger ein Tuch ist, desto exakter und fester muss es gebunden werden, um einen sicheren Sitz zu gewährleisten. Gewebte Tücher sind stabiler und eignen sich daher auch, um größere Kinder zu tragen – sogar auf dem Rücken. Eltern müssen aus einer Vielzahl von Wickeltechniken eine auswählen und erlernen. Vor jedem Tragen muss das Tuch neu gebunden werden.

Steckbriefe zu den Besten im Test

Manduca XT | gut
Manduca XT ©  , Stiftung Warentest
Manduca XT © , Stiftung Warentest

Ergonomisch gut geeignet, sowohl für Babys wie auch für Kleinkinder. Für große und kleine Eltern ist das Tragen komfortabel. Gut geeignet allerdings nur fürs Tragen vor dem Bauch. Das Anbringen und Abnehmen auf dem Rücken ist kompliziert, das Tragen dann nur durchschnittlich.

Hoppediz Nabaca Regular | gut
Hoppediz Nabaca Regular ©  , Stiftung Warentest
Hoppediz Nabaca Regular © , Stiftung Warentest

Als einzige Trage im Test ergonomisch sehr gut für Babys und für Kleinkinder geeignet. Sehr gute Beinhaltung für Babys. Gebrauchsanleitung sehr ausführlich (98 Bilder beschreiben den Zusammenbau der Trage!).

Amazonas Carry Sling | gut
Amazonas Carry Sling ©  , Stiftung Warentest
Amazonas Carry Sling © , Stiftung Warentest

Gewebtes, stabiles Tuch. Für Babys wie auch für Kleinkinder ergonomisch sehr gut geeignet. Selbst größere Kinder bis 15 kg können getragen werden, sogar auf dem Rücken. Sehr gute Beinhaltung für Babys. Bedienungsanleitung leider weniger zufriedenstellend.


Dieser Test wurde vom Verein für Konsumenteninformation durchgeführt.

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