April 2017
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Handytarife: Reden und Surfen oft „außer Takt“

Handytelefonate werden bei den meisten untersuchten Anbietern ausschließlich in vollen Minuten abgerechnet. Nur zwei Anbieter rechnen – alle oder zumindest einzelne Tarife – sekundengenau ab. Bei der Datennutzung wird es sehr unübersichtlich: Sowohl zwischen den Anbietern als auch bei den Produkten der einzelnen Anbieter wird sehr unterschiedlich getaktet. Der Datentakt kann sich sogar noch nach Verbrauch der inkludierten Datenmenge ändern. Das zeigt ein aktueller AK Test bei 17 Anbietern für insgesamt 189 Handy- und Internettarifmodelle.

Die AK hat im April bei 17 Anbietern 113 Handytarife und 76 mobile Internettarife untersucht: A1, T-Mobile, DREI, bob, tele.ring, HoT, Red Bull Mobile, yesss!, S-Budget, UPC, spusu, Ge org!, wowww!, yooopi!, VOLmobil, Allianz und eety.

Der Takt macht den Preis aus

Die überwiegende Anzahl der Anbieter (15 von 17) rechnet Handygespräche ausschließlich in vollen Minuten ab – 60/60. Nur spusu taktet alle Gespräche im Sekundentakt. DREI hat ebenfalls einen Standardtarif mit der Taktung 1/1 (Sekundentaktung). „Bei einer sekundengenauen Abrechnung kommen die Konsumenten zweifellos am besten weg“, sagen die AK KonsumentenschützerInnen.

So kommt in Summe bei 102 Tarifen (90,3 Prozent) die Minutentaktung zur Anwendung und nur bei elf Tarifen (9,7 Prozent) die Sekundentaktung.

Beispiel

Herr A. ruft in ein Fremdnetz an. Die Kosten: 20 Cent pro Minute sowohl bei einer theoretischen Tarifvariante mit Sekundentaktung wie auch beim Tarif mit Taktung einer Minute (60/60). Die Mobilbox meldet sich. Herr A. möchte nicht darauf sprechen, sondern legt sofort auf. Verbindungsdauer: eine Sekunde. Vergebührung bei einem Tarif mit Sekundentaktung: eine Sekunde = 0,33 Cent; beim Tarif mit 60/60-Taktung: 60 Sekunden = 20 Cent. „In diesem Fall sind die Verbindungskosten bei der Minutentaktung 60-mal so hoch wie die Verbindung mit einer Sekundentaktung“, rechnen die AK ExpertInnen vor.

Bei der Internettaktung gibt es auch beachtliche Unterschiede zwischen den Anbietern, aber auch innerhalb der Produkte der einzelnen Anbieter. Im besten Fall wird byteweise abgerechnet, im ungünstigsten Fall findet sogar eine 1-MB-Taktung statt. Ein MB sind 1.024 KB. Das bedeutet: Bei einem E-Mail-Check mit vielleicht fünf KB Datenverbrauch werden in einem Fall genau die fünf KB abgebucht. Im anderen Fall aber ein MB – das ist mehr als das 200-Fache als bei der günstigen bytegenauen Taktung.

Nur neun von 17 untersuchten Anbietern takten alle ihre Produkte gleich. Bei acht Anbietern werden jedoch ihre angebotenen Produkte unterschiedlich getaktet. Womit die wenigsten rechnen: Bei manchen Produkten ändert sich die Taktung auch abhängig davon, ob man sich innerhalb des Freidatenkontingents bewegt oder außerhalb.

Taktung soll einheitlich und möglichst verbrauchsgenau sein!

Mittlerweile sind Minuten-Taktungen bei Handygesprächen die Regel. Auch beim Internet wird uneinheitlich und zum Teil in großen Datenblöcken abgerechnet. Das zeigt ein aktueller AK Test. Die AK verlangt eine einheitliche Taktung, am besten sekunden- oder bytegenau. Die Verrechnungstaktung verschleiert oft die wahren Kosten von Anrufen oder der Datennutzung. Tarifvergleiche werden dadurch erschwert, kritisiert die AK.

Entsprechende Vorgaben durch den Gesetzgeber würden dazu beitragen, die Kostentransparenz für KonsumentInnen erheblich zu verbessern.

Waren vor einiger Zeit noch halbminütige Intervalle bei Gesprächen üblich, sind mittlerweile Minuten-Taktungen die Regel. Bei der Abrechnung von Daten könnten die Bedingungen kaum uneinheitlicher sein: Im besten Fall wird byteweise abgerechnet, im ungünstigsten Fall wird in 1-MB-Schritten abgerechnet. Dabei wird bei jeder Trennung der Verbindung der volle Takt verrechnet, womit InternetnutzerInnen in der Regel mehr Daten verrechnet werden, als sie tatsächlich konsumieren.

Die österreichische Entwicklung entspricht nicht mehr dem europäischen Trend: Die EU-Kommission sieht in ihrer Roaming-Verordnung vor, dass Mobilfunkanbieter an- und abgehende Roaminganrufe grundsätzlich sekundengenau verrechnen müssen. Bei abgehenden Anrufen dürfen die Anbieter eine Mindestgesprächsdauer von höchstens 30 Sekunden verrechnen. Datenroaming muss kilobytegenau abgerechnet werden.

TIPP
  • Auf den Takt schauen: Wählen Sie einen neuen Tarif, achten Sie auf die Datentaktung. Bevorzugen Sie jenen Tarif, der bei ähnlichem Leistungsspektrum möglichst niedrige Taktzeiten aufweist.

  • Verbindung reißt ab, höhere Kosten: Sind Sie an einem Standort mit schlechter Verbindung, und das Handy baut die Verbindung automatisch wieder neu auf? Es können auch recht hohe Freidatenkontingente bei einer ungünstigen Datentaktung von etwa 0,5 bis ein MB pro Takt schnell aufgebraucht werden, ohne eine hohe tatsächliche Datennutzung erzielt zu haben.

  • Neuer Aufbau, neuer Takt: Der Aufbau von WLAN-Verbindungen kann zum Abbau der Netzverbindung und somit zur Beendigung der aktuellen Session führen. Ein neuerlicher Netzaufbau bedeutet wiederum neue Session und neuer Mindesttakt.
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