19.4.2018
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AK-Goach: Arbeitnehmer sind flexibel genug

Bei der Präsentation der AK-Rechtsschutzbilanz 2017 analysierte Präsident Günther Goach den heimischen Arbeitsmarkt und formulierte aktuelle Forderungen der Arbeitnehmerseite: Er stellt sich entschieden gegen den 12-Stunden-Tag und Verschlechterungen im Arbeitnehmerschutz und fordert Modelle für eine intelligente Arbeitszeitverkürzung. Goach ist überzeugt: „Der wirtschaftliche Erfolg unseres Landes ist zu einem großen Teil auf die Leistungen der Mitarbeiter und ihrer Flexibilität zurückzuführen.“ Scharfe Kritik äußerte Goach an den Plänen der Bundesregierung zur Sozialversicherung und an ihrer inakzeptablen Vorgehensweise. 

Die kontinuierliche Arbeit als uneingeschränkte Interessenvertretung der Arbeitnehmer sei wichtiger denn je, betonte AK-Präsident Günther Goach im Rahmen der Präsentation der Rechtsschutzbilanz 2017 der Arbeiterkammer Kärnten: „Der Druck auf die Arbeitnehmer steigt von allen Seiten, auch das neue Regierungsprogramm sieht Anschläge auf die Arbeitnehmer und den Arbeitnehmerschutz vor. Die Arbeitnehmerinteressenvertretungen stellen sich diesen Verschlechterungen geschlossen und entschieden entgegen.“ 

Mehr Flexibilität geht nicht

Verärgert zeigte sich der AK-Präsident über die andauernden Forderungen aus der Wirtschaft und Politik, nach mehr Flexibilität der Arbeitnehmer: „2017 wurden österreichweit 250 Millionen Mehr- und Überstunden von Arbeitnehmern geleistet. 45 Millionen davon, knapp jede fünfte, wurden weder bezahlt noch mit Zeitausgleich abgegolten.“ Diese Zahlen belegen, dass die Arbeitnehmer bereits jetzt der anstehenden Arbeit nachkommen. Betriebe mit unzähligen Schichtmodellen, die auch Samstags- und Sonntagsarbeit umfassen, sind keine Seltenheit. Voraussetzung für Goach ist: „Die Arbeitszeiten müssen durch Kollektivverträge oder Betriebsvereinbarungen geregelt werden, die Ruhezeiten und Zuschläge klar geregelt sein. Flexibilität ja – aber nicht zu Lasten der Gesundheit und Löhne der Dienstnehmer. Die Bundesregierung muss sich zur Kollektivvertragshoheit als flexiblem System zwischen Dienstnehmern und Dienstgebern bekennen.“ Erneut bekräftigte er die Forderung nach einer intelligenten Arbeitszeitverkürzung: „Wenn immer weniger Menschen in immer kürzerer Zeit immer mehr produzieren, ist es an der Zeit über neue Arbeitszeitmodelle nachzudenken.“ Aus seiner langjährigen Erfahrung als Verhandler von Kollektivverträgen in der Elektro- und Elektronikindustrie weiß er, dass die Freizeitoption immer beliebter wird: „Die Arbeitnehmer sind gerne bereit, bei Bedarf mehr zu arbeiten. Im Gegenzug möchten sie mehr und planbare Freizeiten.“                                         

Ja zum bestehenden System der Sozialversicherungsträger

Anlässlich der aktuellen Debatte um die AUVA nahm Goach zum gesamten Sozialversicherungssystem Stellung: „Wir stellen uns nicht gegen sinnvolle Reformen. Die Sozialministerin zeigt aktuell jedoch auf, wie Unsinn in Reinkultur aussieht: Ohne ein Konzept vorzulegen, droht sie mit der Zerschlagung der AUVA. Es ist ganz klar, dass die Arbeitnehmervertretung sich dem mit aller Kraft entgegenstellt. Wir werden es nicht zulassen, dass sinnvolle Strukturen nur der Veränderung wegen zerstört werden. Wir sind als Interessenvertretung dafür gewählt, die Arbeitnehmer vor einem Kahlschlag des Sozialsystems zu bewahren.“ 

Der Protest gegen die angekündigten Pläne der Ministerin reiße auch nicht ab, erläuterte Goach: „Wir sind eine breit aufgestellte Allianz von Schützern des österreichischen Sozialsystems, über Organisationen und Fraktionen hinweg.“ Der Kärntner AK-Präsident bekräftigte abschließend: „Die Sozialpartner sind ein lange bewährtes System, mit dem immer Lösungen zum Wohle Österreichs gefunden und umgesetzt wurden. Unkoordinierte Alleingänge unerfahrener Politiker tragen nicht zu einem stabilen System in Österreich bei und gefährden zudem das notwendige Vertrauen, das für breit getragene Lösungen und Zukunftswege notwendig ist.“  

Erfolge bestätigen die Arbeit der Interessenvertretung

Die kontinuierliche Arbeit der Interessenvertretungen habe auch 2017 Erfolge verzeichnen können. Goach verwies auf die Angleichung von Arbeitern und Angestellten, die die „Zwei-Klassen-Behandlung“ dieser Berufsgruppen endlich aufhebt und im Oktober 2017 beschlossen wurde. Als weiteren Erfolg verbuchte er die Wiedereinführung des Fachkräftestipendiums mit 1. Jänner 2017, für deren Erhalt die AK sich auch weiterhin einsetzen werde. Mit der Übernahme der Internatskosten für Lehrlinge von deren Lehrbetrieb konnte auch für junge Dienstnehmer eine Gleichstellung erreicht werden. Auch wenn die Schließung der Modine im Vorjahr keinen Anlass zur Freude gab, konnte die AK den Arbeitnehmern wenigstens mit Sozialplänen zu ihrem Erfolg verhelfen. „Wir sind für die Arbeitnehmer immer da und vor allem, wenn Feuer am Dach ist“, schloss Goach.

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