Schlechtes Zeugnis für Österreich
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„Von Chancengleichheit sind wir noch weit entfernt“, sagt AK Bildungsbereichsleiterin Johanna Ettl. Die Ergebnisse der OECD-Erhebung „Education at a Glance“ zeigen, dass die Ausbildung der Kinder immer noch stark von jener der Eltern abhängt.
Von Chancengleichheit weit entfernt
Nur in Deutschland gibt es im Bildungssystem eine noch geringere soziale Durchlässigkeit. Schlechte Noten bekommt Österreich auch bei der Höherqualifizierung: In Österreich beginnen viel weniger junge Menschen ein Studium als in anderen europäischen Ländern. Auch beim Bildungsstand der Gesamt-Bevölkerung bleibt Österreich hinter den Besten zurück. Wenn wir den Anschluss an unsere Nachbarn nicht verlieren wollen, muss endlich Bewegung ins Bildungssystem kommen.
Zum ersten Mal wurde im Rahmen von „Education at a Glance“ die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems analysiert. Die Studie stellt Österreich in dieser Frage ein schlechtes Zeugnis aus. Während in Österreich 39 Prozent der männlichen Bevölkerung zwischen 40 und 60 Jahren einen Arbeiterhintergrund haben, beträgt der Anteil der Jugendlichen mit Arbeiterhintergrund in Hochschulausbildung nur 20 Prozent. Bei den untersuchten Ländern hat nur Deutschland eine noch geringere soziale Durchlässigkeit. Wenn wir nicht auf das Potenzial von tausenden jungen Menschen verzichten wollen, müssen wir dringend dafür sorgen, dass die Ausbildungschancen der Kinder nicht länger von der Bildung der Eltern abhängen.
Nachbarländer vor Österreich
Um mit den Besten in Europa mitzuhalten, muss dringend Bewegung in das Bildungssystem kommen. Unsere Nachbarn haben uns in Sachen Ausbildungsstand längst überholt. So liegt der Anteil der Bevölkerung, die nicht zumindest einen Abschluss der Sekundarstufe II (Lehre, berufsbildende Schule, Matura) haben bei 20 Prozent. Bis auf Italien liegen alle Nachbarländer vor Österreich. Dazu kommt, dass die Entwicklung des Bildungsstandes in Österreich stagniert, während Länder wie Tschechien Fortschritte auf hohem Niveau machen.
Sehr bedenklich ist, dass der Anteil der Jugendlichen, die nach der Ausbildung beschäftigungslos sind, steigt. Bei den 25 bis 29-Jährigen ist ihr Anteil von 12,3 Prozent im Jahr 2003 auf 15,3 Prozent im Jahr 2006 gestiegen. Für die jungen Menschen ist ein solcher Einstieg in die Berufswelt eine Katastrophe. Dabei zeigt die OECD-Studie den engen Zusammenhang zwischen beruflichen Chancen und Bildung: Bei den 20 bis 24-Jährigen ohne weiterführende Schulbildung liegt die Arbeitslosigkeit bei fast 14 Prozent, bei den 25 bis 29-Jährigen ohne weiterführende Schulbildung bei 12,4 Prozent.
Studierendenzahlen ernüchternd
Ernüchternd ist auch die Entwicklung der Studierenden-zahlen. Trotz einer leichten Verbesserung gegenüber 2006 beginnen in Österreich nur 40 Prozent eines Altersjahrganges ein Studium – der OECD-Schnitt liegt bei 56 Prozent. Österreich hat mit 18 Prozent auch eine der niedrigsten Akademikerquoten (der OECD-Schnitt ist 27 Prozent).
Die Ergebnisse zeigen einmal mehr den Handlungsbedarf. Das Bildungssystem muss durchlässiger werden und die Möglichkeiten eine weiterführende Ausbidlung zu beginnen müssen verbessert werden.
Die AK fordert:- eine verpflichtende, gebührenfreie Vorschule zumindest für alle 5-Jährigen,
- eine gemeinsame Schule im Bereich der Mittelstufe (AHS und Hauptschule),
- Ganztagsbetreuungsangebote und individuelle Förderung für alle Kinder.
- die Umsetzung des Ausbildungspakets der Sozialpartner und eine Ausbildungsgarantie im Bereich der berufsbildenden Schulen
- den freien Zugang zu Hochschulbildung, der von sozialen Maßnahmen (Schülerbeihilfen, Studienbeihilfen etc.) flankiert sein muss und
- die ausufernden privaten Ausgaben für Bildung (zB Nachhilfe) müssen durch Reformen wie Kurssystem statt Sitzenbleiben, ein Recht auf Förderunterricht und Ganztagsbetreuung eingedämmt werden.
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