Brutale „Watschn“: Lehrling wurde vom Chef verletzt, AK löste Lehrvertrag auf und forderte Schadenersatz
Nicht nur mit Worten, sondern zuletzt sogar mit einem brutalen Schlag ins Gesicht wurde ein Tischlerlehrling aus dem Bezirk St. Veit von seinem Chef verletzt. Der junge Mann erlitt eine Prellung sowie Abschürfungen im Gesicht und musste ärztlich behandelt werden. Mit Hilfe der Arbeiterkammer Kärnten löste der 18-Jährige das Lehrverhältnis auf und erhielt Schadenersatzanspruch in der Höhe von 2.000 Euro.
Verärgert war der Chef eines Tischlerei-Betriebes, nachdem sein Lehrling zuerst ein Werkstück fertig lackieren wollte und erst dann mit einer ihm aufgetragenen Arbeit begann. Kurzerhand ließ der Chef seiner Wut freien Lauf. Mit Schleifpapier in der Hand ohrfeigte er den jungen Mann und verursachte damit in seinem Gesicht nicht nur Schürfwunden sondern auch eine Prellung. Der Lehrling verließ darauf hin den Betrieb, suchte einen Arzt auf und kontaktierte den Lehrlings- und Jugendschutz der AK.
Angst um Job
„Erschreckend ist, dass im Fall des jungen Mannes dieser Angriff keinen Einzelfall darstellt. In den vergangenen drei Jahren kam es laut Angaben des Lehrlings zum Beispiel zu einem Schlag auf den Hinterkopf oder wüsten Beschimpfungen“, weiß Dr. Helmut Krainer, Leiter der AK-Jugendschutzabteilung. „Der angehende Tischler, der von seinem Chef nach dem Vorfall auf Urlaub geschickt wurde, schreckte sogar vor einer Anzeige zurück, da er Angst um seinen Job hatte“, zeigt sich Krainer empört.
Lehrvertrag aufgelöst
Das Opfer der Körperverletzung wandte sich nach der folgenschweren „Watschn“ an die AK. Diese leistete erfolgreich Hilfestellung. Sie half, das Lehrverhältnis berechtigt vorzeitig aufzulösen. Der Lehrlings- und Jugendschutz der AK forderte den Chef außerdem auf, die ausstehende Lehrlingsentschädigung, die aliquoten Sonderzahlungen, eine Entschädigung für 150 geleistete Überstunden sowie Schadenersatz in der Höhe von drei Monatsentgelten, der allein über 2.000 Euro ausmacht, zu bezahlen. Auch das Arbeitsinspektorat wurde von der AK über den Fall informiert.
„Lehrlinge, die ungerecht oder sogar brutal von ihren Arbeitgebern behandelt werden, finden rasche Hilfe beim Lehrlings- und Jugendschutz der AK“, betont der Jugendschützer. Unter der Telefonnummer 050 477-2231 können sich Betroffene jederzeit mit ihren Problemen an die AK wenden.



